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DOKUMENTE
- STANDPUNKTE - PRESSE
Zukünftig nur noch
Ein-Sparten-Theater?
Die Linke kritisiert
geheime Absprachen zwischen CDU-Oberbürgermeistern
In Neubrandenburg wurde auf
der Stadtvertretersitzung im Oktober über ein Treffen der
Oberbürgermeister Greifswalds, Stralsunds, Neubrandenburgs sowie
des Landrates Mecklenburg-Strelitz (alle CDU) informiert. Inhalt
des Gespräches waren Eckpunkte der beabsichtigten
Neustrukturierung der Theater- und Orchester-Landschaft im so
genannten Kulturkooperatinsraum II M-V, der die Bereiche
Nordvorpommern, Rügen, Stralsund, Greifswald, Ostvorpommern,
Uecker-Randow, Mecklenburg-Strelitz, Müritz, Demmin und
Neubrandenburg umfasst. Beschlossen wurde eine Vereinbarung, die
wesentliche Strukturveränderungen und eine Orchesterreform
vorsieht. „Des Weiteren soll eine Angebotsstruktur aufgebaut
werden, die sich nach Kernkompetenzen der Städte Greifswald,
Neubrandenburg, Neustrelitz und Stralsund richtet.“, heißt es im
Protokoll der Sitzung.
Das bedeutet: An den
einzelnen Standorten - Stralsund, Greifswald, Neubrandenburg,
Neustrelitz - wird die Bandbreite der theatereigenen
Produktionen auf jeweils nur noch eine Sparte reduziert, diese
Produktionen sollen dann aber an allen Theatern gespielt werden.
Würde beispielsweise das dann einzige Orchester in
Neubrandenburg angesiedelt werden, müsste es auch die Theater in
Stralsund, Greifswald und Neustrelitz bespielen. Derzeit
begutachtet ein externes Beratungsunternehmen die Theater und
wird eine Empfehlung abgeben, in welcher Stadt welche Sparte
erhalten bleiben soll. Die benannte Vereinbarung trägt die
Unterschriften der vier CDU-Politiker. Viele andere
Gesellschafter der Theater, wie z.B. der Landkreis Rügen oder
die Stadt Neustrelitz, waren zu der Beratung erst gar nicht
eingeladen.
Erheblicher Widerstand
gegen dieses Vorgehen regt sich in der Linken - über
Kreisgrenzen hinweg. Die Vorsitzenden der Linksfraktionen in den
Bürgerschaften in Greifswald und Stralsund, Dr. Gerhard Bartels
und Jan Gottschling, in der Stadtvertretung Neubrandenburg,
Caterina Muth, und das Mitglied im Kreistag Mecklenburg-Strelitz,
Frank Nieswandt, richten ihre grundsätzliche Kritik an die
Oberbürgermeister und den Landrat: „Mit diesen Beratungen, an
den jeweiligen Kreistagen und Stadtvertretungen, an den
Aufsichtsräten, an den Gesellschafterversammlungen und an der
Öffentlichkeit vorbei, werden die simpelsten demokratischen
Grundrechte ausgehebelt! Anstatt alle Beteiligten in die
Diskussion um die strategische Ausrichtung der Theater
einzubeziehen, um am Ende eine konsensfähige, zukunftssichere
Struktur unserer Theater und Orchester zu finden, sollen
unumstößliche Fakten geschaffen werden, die eine erhebliche
Ausdünnung des Kulturangebotes in unserem Teil
Mecklenburg-Vorpommerns und auch einen drastischen Abbau von
Arbeitsplätzen bedeuten. Das ist Wahnsinn!“
Die Linke fordert
unmissverständlich, dass die Diskussion um unsere zukünftige
Theater- und Orchester-Landschaft öffentlich zu machen ist. „Wir
brauchen die Transparenz der Prozesse. Ohne Transparenz, ohne
Beteiligung der Bevölkerung, der Kommunalpolitiker, der
Mitarbeiter an den Häusern, der Spartenvertreter, der
Betriebsräte etc. wird für eine mögliche Neustrukturierung
keinerlei Akzeptanz wachsen. Diese brauchen wir aber bei einer
Entscheidung mit derartig immensen Auswirkungen!“, formuliert
Caterina Muth, Die Linke Neubrandenburg. Für sie ist auch nicht
nachvollziehbar, aus welchem Grund die Oberbürgermeister so
übereilt vorgehen, denn die
Datum 18.11.2009
Landesregierung fordert grundlegende
Strukturveränderungen der Theaterlandschaft erst ab dem Jahr
2014. Muth fragt weiter, mit welcher Legitimation die
Oberbürgermeister und der Landrat agieren. Aufträge der
Kreistage gäbe es nicht. Die Kompetenzen für die Erarbeitung
eines Vorschlages zur künftigen strategischen Aufstellung der
produzierenden Theater würden nicht bei den Oberbürgermeistern
oder einem externen Berater liegen, so Muth: „Die Befürchtung,
dass hier viel zu sehr fiskalische Gesichtspunkte eine
übergeordnete Rolle spielen, liegt nahe.“ Die Linke verlangt
daher, dass die fachpolitischen Gremien unverzüglich in die
Diskussionen einbezogen werden. Neben den finanziellen Zwängen
seien insbesondere auch die Bedeutung von Kunst und Kultur für
das Zusammenleben der Menschen in unserem Land sowie für seine
Gäste zu betrachten. Der Schaden, den ein kultureller Kahlschlag
mit sich bringen würde, lässt sich zwar nur erahnen; sicher ist
aber, dass er nicht reparabel wäre.
Unstrittig ist auch aus
Sicht der Linken, dass eine Weiterentwicklung der vorhandenen
Strukturen durchaus positive Effekte hervorbringen könnte. „Wir
haben die Häuser, wir haben engagiertes, talentiertes Personal,
wir haben viele Förderer der Theater - es ließen sich mit
Sicherheit Wege finden, den Anforderungen einer zukunftsfähigen
Theaterlandschaft entgegenzukommen. Nur dürfen die künstlerische
Qualität der Arbeit sowie die Arbeitsbedingungen für die
Mitarbeiter der Theater und Orchester nicht unter den
Strukturänderungen leiden.“, so Jan Gottschling, Die Linke
Stralsund. Und weiter: „Gemeinsam, in Diskussion auf Augenhöhe
sollten Kooperationsmöglichkeiten der Theater ausgelotet werden,
die zu höherer Effizienz führen können. Jetzt ganze Sparten an
den Theatern aussterben zu lassen, würde den unumkehrbaren
Verfall der kulturellen Vielfalt bedeuten!“ Gottschling räumt
einer Debatte zur Zusammenarbeit der verschiedenen Theater gute
Chancen ein, wenn ihr die notwendige Zeit gegeben und wenn sie
sachlich und sensibel moderiert werden würde. Alleingänge, wie
der geheime Vorstoß der vier CDU-Regenten, seien da sehr
kontraproduktiv.
Fraktion in der
Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund
Fraktion in der
Bürgerschaft der Universitäts- und Hansestadt Greifswald
Fraktion in der
Stadtvertretung der Stadt Neubrandenburg
Fraktion im Kreistag des
Landkreises Mecklenburg-Strelitz
Fraktion in der
Stadtvertretung der Stadt Anklam
Fraktion in der
Stadtvertretung der Stadt Neustrelitz |