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„Offener Brief des Kreisverbandes DIE LINKE Mecklenburgische Seenplatte an alle Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Region“

 

Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 09.02.2010 „Regelleistungen nach SGB II („Hartz IV-Gesetz) nicht verfassungsgemäß“ als Chance nutzen - Verfassungsanspruch endlich Lebenswirklichkeit werden lassen!

 

Am 09. Februar 2010 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass die „Regelleistungen nach SGB II

(„Hartz IV – Gesetz“) nicht verfassungsgemäß“ sind. Demnach verursachten bzw. duldeten in dieser Frage die jeweiligen Regierungsparteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU/CSU und FDP über Jahre den Verstoß des Grundrechts auf die Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums und des Sozialstaatsprinzips.

Das Bundesverfassungsgericht verpflichtete den Bundestag bis zum 31.12.2010 zu einer gesetzlichen Neuregelung. Während sich namhafte Politikerinnen und Politiker neoliberaler Parteien reflexartig über etwaige Mehrkosten für die öffentlichen Haushalte verbreiteten, stellt die FDP-Spitze den Sozialstaat gleich gänzlich infrage.

Aus Sicht der LINKEN Mecklenburgische Seenplatte ist es notwendig, den Plänen der weiteren Zerstörung des Sozialstaates entschieden entgegen zu treten. Das Bundesverfassungsgerichtsurteil zu den Hartz IV- Regelleistungen ist als Chance zu nutzen, um aus Verfassungsansprüchen endlich Lebenswirklichkeit werden zu lassen.

In der Region Mecklenburgische Seenplatte gibt es schon lange eine nicht zu akzeptierende soziale Schieflage. Im Januar 2010 erhielten hier 41.253 Menschen so genannte Hartz IV- Leistungen, darunter 8.383 Kinder. Hinzu kommen noch 4.408 Empfängerinnen und Empfänger von Sozialhilfe und Grundsicherung. Fast jeder 6. Einwohner unserer Region lebt also in Abhängigkeit von öffentlichen Hilfen, die noch dazu grundgesetzwidrig ermittelt wurden.

Abgesehen davon erhielten 2008 lohnabhängig Beschäftigte unserer Region einen erheblich unter dem Bundesdurchschnitt liegenden Jahresverdienst. Mit einem durchschnittlichen Bruttojahresverdienst von 28.591 Euro bekommen hierzulande Beschäftigte nur etwa 75% dessen, was sich bundesweit in der Lohntüte befindet.

In mehr als jeder vierten Bedarfsgemeinschaft (25,8%) gehen Frauen und Männer tagtäglich zur Arbeit und anschließend auch noch zur ARGE, weil die Einkünfte zum Leben nicht reichen.

Rapide nimmt die Zahl derjenigen zu, die von ihrer Rente nicht mehr leben können, die trotz eines langen und schweren Arbeitslebens nun im Alter zum Sozialamt gehen müssen.

Allein in Neubrandenburg hat sich ihre Zahl von 2005 zu 2008 mehr als vervierfacht.

Allein dies ist für DIE LINKE. Mecklenburgische Seenplatte Grund genug, die Herstellung des sozialen und solidarischen Fundaments der Gesellschaft einzufordern.

Wir verlangen von den Bundes- und Landespolitikern unserer Region ein konsequentes Eintreten für:

- die Überwindung von Hartz IV durch eine verfassungsgemäße, Existenz sichernde Grundsicherung,

- die Abkehr von der Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme und ihre Neugestaltung auf

  konsequent solidarischer Grundlage,

- die Durchführung einer Gemeindefinanzreform, die die Kommunen wieder in die Lage versetzt,  

  Selbstverwaltung zu praktizieren,

- die Einführung flächendeckender, gesetzlicher Mindestlöhne, durch die es unmöglich wird, dass sich

  Menschen „arm arbeiten“,

- die Rückführung des Renteneintrittsalters von 67 Jahren auf die vorherige Regelung,

- ein Sonderförderprogramm für alle Regionen, die derzeit eine Armutsquote von mehr als 15%

  aufweisen,

- ein Beschäftigungsförderprogramm für kulturelle, soziale und ökologische Projekte, um von deren

  unbeständiger, stets Existenz gefährdeten Situation in diesen gesellschaftlich notwendigen Bereichen  

  weg zu kommen,

- die Durchführung einer Steuerreform, die in Anwendung des Solidarprinzips eine Umverteilung von

  „oben“ nach „unten“ vornimmt und die zugleich eine Finanztransaktionssteuer einführt um auch

  diejenigen zur Kasse zu bitten, die beständig durch Spekulationen aus Geld mehr Geld machen.

 

beschlossen auf der 3. Tagung des 2. KPT der Partei Die Linke. MSP am 13.03.2010

 

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