Mord und Totschlag
Seit 2002 wurde zum dritten Mal ein
Amokläufer in deutschen Schulen zum Massenmörder an Kindern und Lehrern. Damit
dürfte sich die Zahl der in Schulen ermordeten Kinder und Lehrer seit 2002 kaum
noch von der Anzahl der im Afghanistan-Krieg gefallenen deutschen Soldaten
unterscheiden.
Offenbar muss Deutschlands Sicherheit nicht
nur am Hindukusch verteidigt werden. Natürlich gibt es Besserwisser , die sofort
für Ursache und Verhinderung ihre Patentlösungen bereit halten.
Sicherlich haben Gewalttaten wie in Erfurt
und jetzt in Winnenden psychische Ursachen, die man nicht voraussagen kann Aber
gibt es nicht auch gesellschaftlich bedingte Umstände, die solche Taten
befördern?
Wie ist das mit der Hemmschwelle für Gewalt
bei Jugendlichen, wie sie sich heute fast täglich auf den Schulhöfen zeigt? Da
werden andere aus nichtigen Gründen brutal zusammengeschlagen, nicht einmal der
am Boden Liegende hat ein Recht auf Gnade. Sogar Mädchenschlägertrupps üben
Gewalt aus. Wo liegen die Ursachen?
Da haben gutsituierte Bürger, wie der Vater
des Amokläufers von Winnenden, ein ganzes Waffenarsenal mit einem riesigen
Munitionsdepot zu Hause.
Das geltende Waffengesetz wird offenbar nur
schlampig kontrolliert. Warum? Ganz sicher ist trotz individueller Motive eine
Gesellschaft, in der Mord und Totschlag zum Alltag gehören, der entscheidende
Grund.
Und wie sieht es in Neubrandenburg aus?
Nach dem Massaker von Erfurt wurde der Oberbürgermeister in Neubrandenburg
aufgefordert, dafür zu sorgen, dass w ä h r e n d der Unterrichtszeiten die
Schultüren geschlossen bleiben, um zu verhindern, dass Leute von der Straße dort
Ähnliches anrichten können.
Das ist natürlich kein Patentrezept für die
Verhinderung von Verbrechen an Kindern, aber es könnte diese Taten erschweren.
Übrigens in der Gesprächsrunde am 15.3.2009
mit Anne Will in der ARD hat der Innenminister von Brandenburg Schönbohm (CDU)
teilgenommen. Wir erinnern uns: Als in seinem Herrschaftsgebiet eine Frau aus
Frankfurt/Oder wegen Kindsmord vor Gericht stand, hatte Herr Schönbohm sofort
eine Erklärung parat. Die Frau hatte einmal in einer LPG gearbeitet. Nach seiner
tiefgründigen Analyse können nur die moralischen Prinzipien, die in den LPG
bestanden, Ursachen für die Ermordung ihrer Kinder gewesen sein.
Der Vater des Täters von Winnenden ist
Unternehmer. Wir erwarten die nächste tiefgründige Analyse von Herrn Schönbohm
(CDU).
Dr. Manfred Bewersdorf