stehen
vor dem Umbau des HKB zum Medien- und Veranstaltungszentrum (MVZ). Erstens ist
es die Finanzierung des Vorhabens. Das Innenministerium des Landes hat das
Vorhaben mit der Haushaltsbestätigung 2008 als nicht genehmigungsfähig
beurteilt. Aber bereits die Kosten für die Planung stehen mit über 720 000
Euro zu Buche.
Die
zweite Hürde ist der Denkmalschutz für das Gesamtgebäude. Die hierfür
Zuständigen im Land haben Einwände, die man auch als Laie verstehen kann. Sie
würden aber kein generelles Aus für den Umbau bedeuten. Der Erhalt von
baulichen Details für Innen und Außen (Säulen mit Kreuztreppen im Foyer;
Brüstung mit Namenszug) sind durchaus übliche Forderungen bei Umbau und
Nutzungsveränderung von Bauwerken unter Denkmalschutz. Aber von besonderer
Bedeutung ist der Erhalt der baulichen Gestalt. Und eben daran scheiden sich die
Geister. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und auch der zuständige
Minister haben hierzu einen festen Standpunkt. Kein Wunder also, wenn diese auf
ihrer Internetseite das HKB als Denkmal des Monats September wie auch des Monats
Oktober 2008 würdigten. Ein sehr deutliches Signal, waren doch noch bis August
hinein alle Versuche der NEUWOGES gescheitert, eine Veränderung der
Bauwerksgestalt befürwortet zu bekommen.
Der
Internetnutzer konnte neben drei Bildern vom HKB den an Deutlichkeit kaum zu
übertreffenden Text lesen:
„Das
zwischen 1963 und 1965 nach dem Entwurf der Architektin Iris Dullin-Grund auf
der Nordseite des Marktes errichtete Haus der Kultur und Bildung markiert einen
Bruch in der herrschenden Architekturauffassung. Die Abkehr von der Ideologie
der nationalen Tradition steht im Zusammenhang mit der aus ökonomischen
Gründen beginnenden Industrialisierung des Bauwesens, die später zum Typenbau
führte, der dann über Jahrzehnte das Baugeschehen in der DDR prägte. …. Das
Haus der Kultur und Bildung aber fußt auf einem individuellen Entwurf, und es
ist ein bedeutsames Zeugnis der Architektur der frühen 1960er Jahre, das
internationalen Vergleichen standhält und für Mecklenburg-Vorpommern
einzigartig ist. …Das neue Nutzungsprogramm wird zu erheblichen Veränderungen
des Denkmals führen. Der Büroflügel im Norden ist bereits abgerissen. Der
architektonisch und akustisch gleichermaßen überzeugende Saal mit ansteigendem
Parkett, Holztäfelung und Rabbitzdecke wird nicht erhalten. Stattdessen soll
der Hof mit einem neuen Saaltrakt überbaut werden, der den bisherigen an Höhe
überragt. Die Ansichten von Westen, Norden und Osten sollen verändert werden.
Inwieweit auch die zum Markt weisende Hauptansicht durch ein Kragdach mit
Stützen verändert werden wird, ist noch nicht entschieden. Diese Absicht wird
nicht mit Nutzungsnotwendigkeiten, sondern ästhetisch begründet."
Aus
„ästhetischen Gründen" leistet sich die Stadt, der auf Dauer die
finanzielle Leistungsfähigkeit abgesprochen ist, also einen Umbau des HKB, der
nach vorliegender Kostenberechnung über alles nahezu 36,0 Mio. EUR kosten wird.
Dieser gewollte Aufwand ist es wert, etwas genauer hinzuschauen und Vergleiche
zu führen. Der Wiederaufbau der Marienkirche zur Konzertkirche bietet sich an.
Auffallend sind nicht nur die vergleichsweise geringeren Gesamtkosten beim Bau
der Konzertkirche und nicht nur die vielen Anstrengungen für den Erhalt des
Baudenkmals Marienkirche. Die Unterschiede in der Art und Weise der Mitwirkung
von politischen Gremien und die Teilhabe der Öffentlichkeit sind es, die mir
besonders auffallen. Ein vom OB zur Vertraulichkeit gegenüber Dritten
verpflichteter Projektbeirat, von dem nicht einmal die Sitzungstermine vorher
bekannt werden, mutet wie ein Geheimbund an, wenn man sich an die Arbeit im
Sonderausschuss Marienkirche erinnert. Die Öffentlichkeit war auch mittels
Poster und ausgestelltem Modell stets über den Entwicklungsstand im Bilde.
Beim
HKB geht es scheinbar um mehr als nur um die konzentrierte Unterbringung von
Trägern der Medienarbeit. Das wäre auch ohne Kragdach auf sieben Säulen zu
erreichen. Die Frage, wie ein modernisiertes Baudenkmal „Haus der Kultur und
Bildung" positiv für das Ansehen der Stadt wirken kann, wurde und wird
nicht einmal ansatzweise erörtert.
Herbert
Doberenz