Die
Alltagsbilanz zum Feiertag
Nach
fast zwei Jahrzehnten Deutscher Einheit ist es an der Zeit, dass die Regierenden
endlich die wirkliche Einheit vollziehen und sich nicht nur in festlichen Reden
gute Taten bescheinigen. Nach wie vor gibt es in Deutschland sowohl eine
ökonomische als auch geistige Spaltung. Die Mauer ist nicht nur in vielen
Politikerköpfen noch präsent, sondern vor allem in deren Handeln.
Noch
immer müssen Millionen Bürgerinnen und Bürger im Osten Deutschlands auf eine
Rentengleichbehandlung warten, noch immer müssen Ossis für weniger Geld noch
immer länger arbeiten als Wessis. Der Riss geht quer durch die gesamte
Gesellschaft. Dass ein Land mit 80 Millionen Einwohnern 16 verschiedene
Bil-dungssysteme hat, ist beispielhaft für den Umgang miteinander und
schlichtweg eine bildungspolitische Katastrophe.
Statt
zielstrebig eine Angleichung der Lebensverhältnisse in Deutschland insgesamt in
Angriff zu nehmen, verfallen die Regierungen zunehmend in Kleinstaaterei. Da
wird um eigene Pfründe gefeilscht, da wird armes gegen reiches Bundesland und
Ost gegen West ausgespielt.
Wir
dürfen nicht, wie die Bundesregierung meint, noch 30 Jahre warten, um die
Einheit zu vollziehen. Es ist ein Skandal, wenn der Ostbeauftragte die
Rentenangleichung erst 2019 vollziehen will. Will er warten, bis kein
Ost-Rentner mehr da ist? Wie wollen wir den zukünftigen Generationen erklären,
dass der Bundestag im Jahr 18 der Deutschen Einheit immer noch Gesetze
beschließt, die die Spaltung des Landes zementieren?
Im
Gegenzug wünschen sich immer mehr Wessis als Ossis die Mauer zurück. Das ist
die Alltagsbilanz zum Feiertag.
Dieter
Kowalick