Mit
dem Erlass des Innenministers zum Haushalt 2008 wird der Stadt Neubrandenburg
wiederholt gedroht, die vom Bürger gewählten Stadtvertreter und den
Oberbürgermeister nach Hause zu schicken; also die Stadt einer Zwangsverwaltung
zu unterstellen. Wir hätten es nicht vermocht, den Verlust der
Leistungsfähigkeit der Stadt auf Dauer zu vermeiden. Auch hätten wir kein
Konzept, diese Leistungsfähigkeit je wieder zu erlangen.
Bisher
hat niemand diese Drohung ernst genommen. Warum auch? In Deutschland wäre es
ein Politikum von ganz besonderer Art, käme eine kreisfreie Stadt unter die
Kuratel der Landesregierung. Die kommunale Selbstverwaltung abgelöst, eine
bittere Pille, die großes überregionales Interesse wecken könnte.
Also
glaubt man im Rathaus, dass die bisherigen Haushalts-Fehler viel zu umfassend
sind, als das man vom alten Weg abweichen müsste.
Auch
wenn gegen Gesetze verstoßen wird, sehen wir Vorteile für uns und warten auf
die Kläger. Oder, bis eine Korrektur durch das Innenministerium so dringend
wird, bleibt für uns der Vorteil des Zeitvorsprungs. Besonders aufmerken lässt
ein solches Verhalten, wenn die Vorschläge hierzu aus dem Bereich der
Verwaltung kommen, die zur inneren Kontrolle gerechnet werden. So geschehen im
Haushaltsplan 2005, als die Bundes- und Landeszuschüsse für Investitionen ohne
Veranschlagung im eigenen Haushalt direkt an die städtebaulichen
Sanierungsträger umgeleitet und die Rechnungsprüfungen dort weitestgehend
aufgehoben werden sollten.
Oder,
nehmen wir die Verpflichtungersermächtigungen; ein Vorschuss auf das nächste
Haushaltsjahr. Neubrandenburg hat einen unausgeglichenen Haushalt seit 2001 und
das mit stetig wachsendem Fehlbetrag. Das Einstellen von
Verpflichtungsermächtigungen bereits in einen Haushaltsentwurf ist bei einem
unausgeglichenen Haushalt rechtswidrig. In Neubran-denburg bleibt das
unbeachtet. Auch mit dem Haushaltsbeschluss für 2008 wollte die Stadt vom
Innenminister als Vorschuss für 2009 nahezu 6,0 Mio. € bestätigt bekommen.
Wenn dieser trotzdem 5 % hiervon genehmigte, zeigt es mir doch nur die große
Verunsicherung auf allen Seiten. Kein Wunder. Mit angehäuften Verbindlichkeiten
von fast 120,0 Mio. € und Zinsverpflichtungen von rd. 5,0 Mio. € jährlich
hat Neubrandenburg einen Stand erreicht, der zur Vorsicht mahnen sollte.
Zu
merken ist davon allerdings noch nichts. Bei Investitionen wird noch immer ein
Maximum geplant. Kosten- und Nutzenanalysen fehlen zumeist, werden zumindest
nicht bekannt. So sehe ich auch das Vorhaben „Ausbau der Parkstraße",
für den im Wirtschaftsplan 1,0 Mio. € als Ausgabe für 2009 (!) stehen aber
mit der Entwurfsplanung bereits wieder Kosten in Höhe von 1,5 Mio. €
berechnet sind. Für mich ist das vorerst nur das letzte Glied eine Kette seit
Jahren. Gab es nicht auch bei der Umgehungsstraße bereits einen deutlichen
Dämpfer? Den Antrag der Stadt an die Bundesregierung so zu begründen, als
wäre sie noch immer eine Kommune mit 80.000 Einwohner, konnte dort nur den
Argwohn wecken. Das dann eine hierfür anberaumte Kosten- und Nutzenanalysen die
Geldgeber zögern ließ, war nur folgerichtig. Hier aber kamen
Traumvorstellungen ins Wanken. Doch mit dem Schlachtruf „wir planen für die
Zukunft" geht Neubrandenburg noch immer in die Vollen. Sicherheitsventile
scheinen keine mehr vorhanden; denn….(siehe oben) !
Herbert
Doberenz