An einem der wenigen Tage mit
Sonnenschein saßen wir an der Ostsee. Der junge Mann neben uns spielte mit
seinem etwa zweijährigen Sohn, der immerzu „Eis" plapperte. Im Gespräch
mit ihm erfuhren wir, dass er hier wohnt, dass die Mutti heute Dienst hat, und
er seinen Sohn heute allein betreut. „Meine Frau hat seit dem Ersten wieder
Arbeit in einem Hotel. Bis dahin hat sie ALG II gehabt, aber jetzt wissen wir
nicht, ob wir zurecht kommen. Ihr Lohn ist sehr niedrig und ich könnte von
meinem Lohn in einem Reinigungsbetrieb die Familie auch nicht ernähren. Für
den Kleinen mussten wir monatlich halbtags 80 Euro in der Kita zahlen, aber
jetzt kommen für den ganzen Tag 200 Euro und die Miete für unsere Wohnung
dazu. Und Mieten hier im Badeort sind schweineteuer. Wenn ich ihm jetzt das Eis
kaufe, ist das eine besondere Ausnahme."
Ich deute auf ein Plakat am Zaun
gegenüber und will wissen, ob das ein Kandidat für die Landratswahl sei. „Weiß
nicht", sagt er. Ob der etwas ändern könne, will ich wissen. „Glaub ich
nicht, was die wollen, geht mir auch am Arsch vorbei. Wir haben andere
Sorgen.".
Ob er zur Wahl gehen würde, frag ich
lieber nicht.
Am gleichen Tag waren in mehreren
Landkreisen in MV Wahlen für Landräte und in mehreren Städten Wahlen für
Bürgermeister und Oberbürgermeister. In den Kreisen beteiligten sich nur knapp
30% der Wahlberechtigten, in den Städten waren es etwas mehr. Sind Wahlen, an
denen weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten teilnehmen, eigentlich noch
als demokratisches Resultat anzuerkennen?
Wer auf seine Wählerstimme verzichtet,
wird auch nichts ändern. Wer wählt, hat die Chance, einen Kandidaten zu küren
, der das wenige Geld sinnvoll und behutsam ausgibt. Von Prestigeobjekten zum
Ruhme des jeweiligen Fürsten haben wir nichts. Sinnvoll für die Entwicklung
von Arbeit, von der man leben kann, sinnvoll für die Verbesserung der
Lebensqualität und für die Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Welcher Kandidat kann das außer mit
allgemeinen Plattheiten überzeugend erklären? Auf diese Frage sollten die
Wähler die Kandidaten prüfen.
Die Partei Die Linke. ruft alle auf zur
Wahl zu gehen , obwohl wir wissen, dass bei geringer Wahlbeteiligung die Chancen
der Linken auf hohe Prozente nur steigen, weil wir uns auf ein großes,
politisch bewusstes Wählerpotential stützen können.
Den Makel, nur von 25% der
Wahlberechtigten gewählt zu werden, überlassen wir gern amerikanischen
Präsidenten.
M. Bewersdorf