DIE LINKE. 

in Neubrandenburg

 

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März 2008

Name ist Schall und Rauch?

 

In Neubrandenburg wohl nicht. Da ist jemandem der Latücht e.V. ein Dorn im Auge, weil er mit der Unterstützung vieler Enthusiasten immer wieder um seine Daseinsberechtigung und Anerkennung kämpft. Nun hat der Verein den Mietvertrag für sein ihm übertragenes Domizil gekündigt und mietet sich mit jeder Veranstaltung extra ein. Der neue Verwalter fand es passend, den Gebäudenamen in „Schnitterkirche“ zu ändern. Warum, weiß er wohl nur selbst! Es ist jedenfalls nicht bekannt, dass das Multifunktionsgebäude in der Krauthöferstraße 16 wieder zur Kirche rückgebaut werden soll oder dass in naher Zukunft zahlreiche polnische Getreideerntehelfer – Schnitter – hier einen Treffpunkt suchen werden.

Vielmehr ist bekannt, dass der Umbau der ehemaligen katholischen Kirche St. Joseph zu einem multikulturellen Zentrum diesen Bau vor dem Verfall rettete. Von Anfang an war dieses Gebäude als Heimstatt für das kommunale Kino vorgesehen, das seine Räume durch den Abriss des „Kosmos“ verlor. Neben dem Kinobetrieb sollte der inzwischen gegründete Verein für zahlreiche andere Veranstaltungen sorgen. Kleinkunst, Lesungen, Foren u.a. wurden so organisiert, wie es der durch die Stadt verfasste Betreibervertrag festlegte.

Der Name des Gebäudes sollte nach dem Willen der Beigeordnetenkonferenz vom 13.03.1996 „über die Ausschreibung eines Ideenwettbewerbes“ gesucht werden. „...der Kulturausschuss“ entscheidet „gemeinsam mit dem Latücht e.V. über den Namen des Gebäudes“.

Die Ideen waren da, der Kulturausschuss beriet gemeinsam mit dem Verein und fortan hieß das Gebäude, übrigens auch im Betreibervertrag der Stadt, „Latücht“.

Wie ernst werden eigentlich Bürgerbeteiligung und die eigene Arbeit durch Stadtvertretung und Stadtverwaltung genommen - wenn es jetzt zu solchen Ausfällen kommt?

Und wie viel Respektlosigkeit darf gegenüber der Geschichte gezeigt werden? Auch Katholiken gehörten in Neubrandenburg zu denen, die es im gesellschaftlichen Leben schwer hatten. Die kleine katholische Gemeinde konnte sich erst Ende des 19. Jahrhunderts finden und ein eigenes Gotteshaus beziehen. Das Gebäude, in dem sie Taufen, Kommunion oder Hochzeit erlebten, war nicht ihre „Schnitterkirche“. Diese Bezeichnung der ehemaligen Kirche ist eine unzulässige Diskriminierung der Arbeit der Gemeinde St. Joseph in diesem Haus. Aber wer weiß, vielleicht nennen wir auch bald wieder die Häuser neben der ehemaligen Scheunenstraße Schnitterkasernen?

 

Irina Parlow

 

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