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Name
ist Schall und Rauch?
In
Neubrandenburg wohl nicht. Da ist jemandem der Latücht e.V. ein Dorn im Auge,
weil er mit der Unterstützung vieler Enthusiasten immer wieder um seine
Daseinsberechtigung und Anerkennung kämpft. Nun hat der Verein den Mietvertrag
für sein ihm übertragenes Domizil gekündigt und mietet sich mit jeder
Veranstaltung extra ein. Der neue Verwalter fand es passend, den Gebäudenamen
in „Schnitterkirche“ zu ändern. Warum, weiß er wohl nur selbst! Es ist
jedenfalls nicht bekannt, dass das Multifunktionsgebäude in der Krauthöferstraße
16 wieder zur Kirche rückgebaut werden soll oder dass in naher Zukunft
zahlreiche polnische Getreideerntehelfer – Schnitter – hier einen Treffpunkt
suchen werden.
Vielmehr
ist bekannt, dass der Umbau der ehemaligen katholischen Kirche St. Joseph zu
einem multikulturellen Zentrum diesen Bau vor dem Verfall rettete. Von Anfang an
war dieses Gebäude als Heimstatt für das kommunale Kino vorgesehen, das seine
Räume durch den Abriss des „Kosmos“ verlor. Neben dem Kinobetrieb sollte
der inzwischen gegründete Verein für zahlreiche andere Veranstaltungen sorgen.
Kleinkunst, Lesungen, Foren u.a. wurden so organisiert, wie es der durch die
Stadt verfasste Betreibervertrag festlegte.
Der
Name des Gebäudes sollte nach dem Willen der Beigeordnetenkonferenz vom
13.03.1996 „über die Ausschreibung eines Ideenwettbewerbes“ gesucht werden.
„...der Kulturausschuss“ entscheidet „gemeinsam mit dem Latücht e.V. über
den Namen des Gebäudes“.
Die
Ideen waren da, der Kulturausschuss beriet gemeinsam mit dem Verein und fortan
hieß das Gebäude, übrigens auch im Betreibervertrag der Stadt, „Latücht“.
Wie
ernst werden eigentlich Bürgerbeteiligung und die eigene Arbeit durch
Stadtvertretung und Stadtverwaltung genommen - wenn es jetzt zu solchen Ausfällen
kommt?
Und
wie viel Respektlosigkeit darf gegenüber der Geschichte gezeigt werden? Auch
Katholiken gehörten in Neubrandenburg zu denen, die es im gesellschaftlichen
Leben schwer hatten. Die kleine katholische Gemeinde konnte sich erst Ende des
19. Jahrhunderts finden und ein eigenes Gotteshaus beziehen. Das Gebäude, in
dem sie Taufen, Kommunion oder Hochzeit erlebten, war nicht ihre
„Schnitterkirche“. Diese Bezeichnung der ehemaligen Kirche ist eine unzulässige
Diskriminierung der Arbeit der Gemeinde St. Joseph in diesem Haus. Aber wer weiß,
vielleicht nennen wir auch bald wieder die Häuser neben der ehemaligen
Scheunenstraße Schnitterkasernen?
Irina
Parlow
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