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„Im
traurigen Monat November war´s…“
So
liest man es bei dem deutschen jüdischen Dichter Heinrich Heine, als er seine
Winterreise nach Deutschland antrat. Ja, der November hat´s in sich!
Nicht
nur trüben Regen und Wind, sondern auch nachhaltige politische Ereignisse von
historischer Bedeutung enthält er. Man denke an die Novemberrevolution 1918,
die hoffnungsvollen Schritte von Sozialisten und Demokraten für Arbeit, Recht
und Freiheit. Leider wurden sie vom bürgerlichen Parlamentarismus und
Antikommunismus zunichte gemacht. Der spätere „Marsch zur Feldherrenhalle“
der Nazis 1923 in München war auch ein Novemberereignis mit bösen Folgen für
Deutschland.
Natürlich
war auch der „Fall der Mauer“ 1989 in Berlin, ausgelöst durch die
Schussligkeit eines gewissen Schabowski, ein geschichtlich bedeutendes Ereignis
im November, dem der Beitritt der DDR zur BRD mit ihrer kapitalistischen
Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung folgte. Zwar gingen viele Hoffnungen und
Erwartungen nicht in Erfüllung, doch Deutschland wurde wieder „einig
Vaterland“, der Kalte Krieg verzog sich einstweilen und uns bisher unbekannte
Lebensweisen entwickelten sich.
Zu
den traurigsten Geschehnissen im November aber zählt wohl der deutschlandweite
Judenpogrom der Nazis, die so genannte „Kristallnacht“ 1938. Wer hat
eigentlich damals in Neubrandenburg die Synagoge angesteckt, gerufen
„Rosenstein, ein Judenschwein“ und gejubelt, als die Stadt „judenfrei“
erklärt wurde? Es ist beschämend und beängstigend, wenn sich heute eine
Verharmlosung des Faschismus im Land bemerkbar macht. War es nicht schlimm
genug, dass Zwangsarbeit für „normal“ gehalten wurde und durch die Stadt
getriebene Gefangene verspottet wurden? Immerhin war Neubrandenburg ein
wichtiger Rüstungs- und Militärstandort, in dem sich sehr früh ein „Hang
zum nationalsozialistischen Gedankengut“ zeigte. Schon vor 1933 stimmten viele
Wähler und Wählerinnen für die NSDAP. Wir sollten die vielen
Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, die Kriegsgefangenen von Fünfeichen, die in
Neubrandenburg für die kriegswichtige Wehrwirtschaft schuften mussten, nie
vergessen, denn Deutsche haben sie gezwungen! Die Ruinen des „Waldbau“ im
Nemerower Wald machen das Unrecht nicht ungeschehen.
Es
ist gut, dass die Stadt sich des Brandes der jüdischen Synagoge, des
rassistischen Völkermordes und der Nazibarbarei erinnert und deutlich ihre
verantwortungsbewusste, antifaschistische Haltung demonstriert. Es ist
erfreulich, dass so viele - vor allem junge - Neubrandenburger zum Forum über
„Neubrandenburg von 1933 bis 1945“ kamen, um Schlussfolgerungen zu ziehen für
den Widerstand gegen neue „Kameradschaften“, die offensichtlich nichts
gelernt haben. Wir alle sollten wachsamer sein gegen fremdenfeindliche,
nationalistische Meinungen im Alltag! Deutschlands Platz ist nicht „über
alles“, sondern unter Gleichberechtigten. Ich hoffe sehr, dass die künftige
Oberbürgermeisterin bzw. der künftige OB für das Gedenken an den Holocaust
unter Einbeziehung der erhaltenen Grabsteine ein noch würdigeres Denkmal
errichten lässt. Es gibt ja wohl einen Entwurf dafür. Wir sind es den Opfern
des Faschismus, den deutschen wie den ausländischen schuldig!
Dr.
Horst Parlow
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