DIE LINKE. 

in Neubrandenburg

 

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November 2007

„Im traurigen Monat November war´s…“

 

So liest man es bei dem deutschen jüdischen Dichter Heinrich Heine, als er seine Winterreise nach Deutschland antrat. Ja, der November hat´s in sich!

Nicht nur trüben Regen und Wind, sondern auch nachhaltige politische Ereignisse von historischer Bedeutung enthält er. Man denke an die Novemberrevolution 1918, die hoffnungsvollen Schritte von Sozialisten und Demokraten für Arbeit, Recht und Freiheit. Leider wurden sie vom bürgerlichen Parlamentarismus und Antikommunismus zunichte gemacht. Der spätere „Marsch zur Feldherrenhalle“ der Nazis 1923 in München war auch ein Novemberereignis mit bösen Folgen für Deutschland.

Natürlich war auch der „Fall der Mauer“ 1989 in Berlin, ausgelöst durch die Schussligkeit eines gewissen Schabowski, ein geschichtlich bedeutendes Ereignis im November, dem der Beitritt der DDR zur BRD mit ihrer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung folgte. Zwar gingen viele Hoffnungen und Erwartungen nicht in Erfüllung, doch Deutschland wurde wieder „einig Vaterland“, der Kalte Krieg verzog sich einstweilen und uns bisher unbekannte Lebensweisen entwickelten sich.

Zu den traurigsten Geschehnissen im November aber zählt wohl der deutschlandweite Judenpogrom der Nazis, die so genannte „Kristallnacht“ 1938. Wer hat eigentlich damals in Neubrandenburg die Synagoge angesteckt, gerufen „Rosenstein, ein Judenschwein“ und gejubelt, als die Stadt „judenfrei“ erklärt wurde? Es ist beschämend und beängstigend, wenn sich heute eine Verharmlosung des Faschismus im Land bemerkbar macht. War es nicht schlimm genug, dass Zwangsarbeit für „normal“ gehalten wurde und durch die Stadt getriebene Gefangene verspottet wurden? Immerhin war Neubrandenburg ein wichtiger Rüstungs- und Militärstandort, in dem sich sehr früh ein „Hang zum nationalsozialistischen Gedankengut“ zeigte. Schon vor 1933 stimmten viele Wähler und Wählerinnen für die NSDAP. Wir sollten die vielen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, die Kriegsgefangenen von Fünfeichen, die in Neubrandenburg für die kriegswichtige Wehrwirtschaft schuften mussten, nie vergessen, denn Deutsche haben sie gezwungen! Die Ruinen des „Waldbau“ im Nemerower Wald machen das Unrecht nicht ungeschehen.

Es ist gut, dass die Stadt sich des Brandes der jüdischen Synagoge, des rassistischen Völkermordes und der Nazibarbarei erinnert und deutlich ihre verantwortungsbewusste, antifaschistische Haltung demonstriert. Es ist erfreulich, dass so viele - vor allem junge - Neubrandenburger zum Forum über „Neubrandenburg von 1933 bis 1945“ kamen, um Schlussfolgerungen zu ziehen für den Widerstand gegen neue „Kameradschaften“, die offensichtlich nichts gelernt haben. Wir alle sollten wachsamer sein gegen fremdenfeindliche, nationalistische Meinungen im Alltag! Deutschlands Platz ist nicht „über alles“, sondern unter Gleichberechtigten. Ich hoffe sehr, dass die künftige Oberbürgermeisterin bzw. der künftige OB für das Gedenken an den Holocaust unter Einbeziehung der erhaltenen Grabsteine ein noch würdigeres Denkmal errichten lässt. Es gibt ja wohl einen Entwurf dafür. Wir sind es den Opfern des Faschismus, den deutschen wie den ausländischen schuldig!

 

Dr. Horst Parlow

 

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