DIE LINKE. 

in Neubrandenburg

 

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September 2007

Seid wachsam!

 

Wie alljährlich standen wir wieder an diesem Stein, der uns mahnt, antifaschistisch zu denken und zu handeln. Mir scheint, es wird künftig noch nötiger sein, dass sich viele hier versammeln! Nicht nur die "Linken".

Faschismus, Krieg und Tod haben in Europa, besonders aber in Deutschland, blutige Spuren hinterlassen. Deshalb gedenken wir ehrend der Toten und Gequälten in den Konzentrationslagern, auf den Schlachtfeldern und in den zerbombten Städten. Ihr Opfer soll nicht umsonst gewesen sein! Auch sind wir nicht hierher "verordnet", sondern wir fühlen uns dazu verpflichtet und sind es den Jüngeren schuldig.

Doch was ist mit den geistigen Spuren des Faschismus in den Köpfen? Wie ist es möglich, dass junge Leute, die nie den Faschismus erlebt haben, heute seine Ideologie vom Herrenmenschen und Völkerhass mit sich herumtragen?

Haben sie das von ihren Großeltern oder aus Büchern und Filmen? Lernten sie das in der Schule? Oder befördern die heutigen Verhältnisse diesen braunen Geist? Sicher, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Dummheit sind ein fruchtbarer Boden für Fremdenfeindlichkeit und Protest.

Ist es nicht schlimm, dass man in der Zeitung lesen kann, rechtsextremes Gedankengut lebe "in der Mitte der Gesellschaft"? Wer hat denn das zugelassen?

Natürlich heißt es bei den rechten "Kameradschaften" Deutschland den Deutschen und mehr Ordnung schaffen! Klingt das nicht sehr nach Nationalismus? Natürlich sind die braunen Marschierer für einen anderen Staat und gegen kapitalistische Ausbeutung. Doch riecht das nicht nach Diktatur und Herrenmenschentum? Und was wächst alles in unsrer ach so gelobten Demokratie!

In Sachsen - so steht in der Zeitung - liegt die rechtsextreme NPD in der Wählergunst vor der SPD. Wäre am Sonntag Landtagswahl, bekäme die NPD 9 % der Stimmen, die SPD nur noch 8 %. In Rostock und anderswo demonstrieren Antifaschisten gegen Läden, die faschistoide Waren feilbieten, doch die Polizei führt sie ab. Nicht die Neofaschisten, sondern die mit Zivilcourage dagegen auftreten.

Was soll das Geeier der Politiker vom "Gesicht zeigen" und Widerstand gegen verfassungsfeindliche Gesänge und Aufmärsche, wenn die Mutigen mit Pfefferspray und Wasserwerfer von der Straße gespült werden, damit sie für die braunen Bataillone frei wird! In ganz Deutschland haben sich die Angriffe von Neonazis und ihren Kameradschaften auf Ausländer oder Linke im letzten Jahr praktisch verdoppelt. Es muss von der Politik und Justiz deutlich mehr Unterstützung geben, damit überall eine Atmosphäre herrscht, in der Rassismus und Nazismus unmissverständlich geächtet wird und nicht unter der Tarnung als Kneipenkrawall oder Dummerjungenstreich bagatellisiert wird.

Da haben doch in Waren 3 Männer Zivilcourage bewiesen und die Verteilung hetzerischer CD´s vor einem Schulgelände verhindert. Dabei ging Einiges zu Bruch. Eine mutige Tat, wie sie oft von Herrn Ringsdorf und Herrn Seidel gefordert wird. Ergebnis: Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg verurteilt die 3 Männer zu 6000 Euro Geldbuße. Eine Strafe für Eintreten gegen Volksverhetzung, für mutiges Handeln?

Solange solche Urteile ergehen, solange viele zurückweichen und schweigen, solange ein Herr Pastörs im Landtag seine üble faschistische Gesinnung propagieren darf, ist unser Treffen hier am Stein nötig.

Natürlich reinigt ein Verbot der NPD nicht den Ungeist in den Köpfen, aber Rechtsextremismus mit Förderung durch Steuergelder, weil ja demokratisch zugelassen, darf es nicht geben. Warum wollen Herr Schäuble und seine CDU kein Verbot? Gegen links ist bald ein Anlass und Grund gefunden und wenn man die alte RAF wieder aus dem Keller holt.

Gerade heute und hier sage ich Nein zu allen Abarten faschistischer Ideologie, egal unter welcher Flagge sie sich einschleicht!

Ich sage Nein zum Schweigen und Weggucken, das nur unseren politischen Gegnern nutzt!

Aber ich sage Ja zum "Wehrt euch"!

 

Dr. Horst Parlow

 

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