DIE LINKE. 

in Neubrandenburg

 

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Juni 2007

"Organisatorisch vollenden wir heute die Einheit Deutschlands."

 

Vielen der Älteren werden bei diesen Worten des Fraktionsvorsitzenden Gysi wohl Tränen in die Augen geschossen sein. Der Traum einer Vereinigung an Stelle einer Okkupation, der Traum einer geschlossenen Linken an Stelle einer zersplitterten Opposition, beides scheint mit der Gründung unserer neuen Partei "Die Linke" zum Greifen nah.

Doch ein Aspekt blieb bislang vergleichsweise im Hintergrund. Es hat sich nicht nur die Lücke zwischen "Ossis" und "Wessis" geschlossen. Nein, es ist auch die große Chance, die Generationenlücke innerhalb des linken Spektrums zu überbrücken. Die Chance, eine Generation mitwirken zu lassen, die weder Ossi noch Wessi ist.

Das Problem, welches dieser Chance zu Grunde liegt ist weder neu noch unbekannt:

Während die "linke Szene" eine äußerst inhomogene und jugendliche Masse darstellt, so haftete der PDS stets das Bild der Ehemaligen-Partei an, die sich aus unverbesserlichen Ost-Rentnern rekrutiert. Durch die allgemeine Entfremdung der parlamentarischen Politik von der Realität ist es zudem besonders schwer, Jugendliche für parteipolitische Arbeit zu interessieren, geschweige denn zu begeistern. Die PDS-Jugendorganisation solid' hatte deshalb trotz aller Bemühungen oft Schwierigkeiten, Fuß zu fassen. Es gab und gibt auf beiden Seiten zahlreiche Zweifel und Vorbehalte, ob der jeweils andere Mittel zum Zweck oder tatsächliche Hilfe sein kann oder ob er sogar nur kontraproduktiv einwirkt. Eine erfolgreiche Kooperation sieht anders aus.

Doch wie sieht es aus, wenn man sich als junger Mensch mit der Linken einlässt? Ich habe mich 2005 kurz nach dem Abitur für die Linkspartei entschieden, weil ich mit Aussicht auf eine vereinigte Linke große Hoffnungen auf einen einschneidenden Wandel hatte. Die Chance ist jetzt vielleicht gekommen, doch schon in den vergangenen zwei Jahren musste ich lernen, dass Hoffnungen und Träume nicht ausreichen, um politisch effektiv zu arbeiten.

Das tatsächliche Tun ist ganz einfach limitiert und man zahlt erst einmal das berüchtigte Lehrgeld. So sind schnell die Grenzen der eigenen politischen Bildung erreicht: man muss als junger Mensch neu erlernen, kritisch zu denken und zu reflektieren - diese Fähigkeit wird in der Schule leider nicht vermittelt. Dies ist wohl der schwierigste Schritt im Vergleich zu anderen Parteien. Der zweite Punkt, der eine dauerhaft steigende Motivationskurve verhindert, ist der schnelle Verlust der Illusion, dass man selbst die Welt verändern könne. Die Maßstäbe, mit der Politik tatsächlich vollzogen wird stehen auf anderen Füßen, als dies ein junger, revoltierender Kopf oft wahrhaben möchte. Der dritte und letzte Punkt, der das Engagement in der Linkspartei für mich als Jugendlichen schwerer macht ist letztlich der Schritt der dauerhaften Bindung durch eine Mitgliedschaft. Ist man gefestigt genug? Kann man "mitspielen" in dem System, was man eigentlich ablehnt?

Der Umgang mit diesen Problemen ist ein dauerhafter Prozess und ich bin weit davon entfernt, sie für mich gelöst zu haben. Aber bereits die Arbeit in der Linkspartei, der Umgang mit anderen Engagierten, der wachsende Zuspruch auch von Gleichaltrigen haben mich positiv überrascht und bei der Stange gehalten. Durch die alternativen Denkanstöße zum politischen Alltag habe ich Zugang zu einer differenzierteren und kritischeren Meinungsbildung bekommen, was mir bislang nur geholfen hat.

R. S.

 

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