|
"Organisatorisch
vollenden wir heute die Einheit Deutschlands."
Vielen
der Älteren werden bei diesen Worten des Fraktionsvorsitzenden Gysi wohl Tränen
in die Augen geschossen sein. Der Traum einer Vereinigung an Stelle einer
Okkupation, der Traum einer geschlossenen Linken an Stelle einer zersplitterten
Opposition, beides scheint mit der Gründung unserer neuen Partei "Die
Linke" zum Greifen nah.
Doch
ein Aspekt blieb bislang vergleichsweise im Hintergrund. Es hat sich nicht nur
die Lücke zwischen "Ossis" und "Wessis" geschlossen. Nein,
es ist auch die große Chance, die Generationenlücke innerhalb des linken
Spektrums zu überbrücken. Die Chance, eine Generation mitwirken zu lassen, die
weder Ossi noch Wessi ist.
Das
Problem, welches dieser Chance zu Grunde liegt ist weder neu noch unbekannt:
Während
die "linke Szene" eine äußerst inhomogene und jugendliche Masse
darstellt, so haftete der PDS stets das Bild der Ehemaligen-Partei an, die sich
aus unverbesserlichen Ost-Rentnern rekrutiert. Durch die allgemeine Entfremdung
der parlamentarischen Politik von der Realität ist es zudem besonders schwer,
Jugendliche für parteipolitische Arbeit zu interessieren, geschweige denn zu
begeistern. Die PDS-Jugendorganisation solid' hatte deshalb trotz aller Bemühungen
oft Schwierigkeiten, Fuß zu fassen. Es gab und gibt auf beiden Seiten
zahlreiche Zweifel und Vorbehalte, ob der jeweils andere Mittel zum Zweck oder
tatsächliche Hilfe sein kann oder ob er sogar nur kontraproduktiv einwirkt.
Eine erfolgreiche Kooperation sieht anders aus.
Doch
wie sieht es aus, wenn man sich als junger Mensch mit der Linken einlässt? Ich
habe mich 2005 kurz nach dem Abitur für die Linkspartei entschieden, weil ich
mit Aussicht auf eine vereinigte Linke große Hoffnungen auf einen
einschneidenden Wandel hatte. Die Chance ist jetzt vielleicht gekommen, doch
schon in den vergangenen zwei Jahren musste ich lernen, dass Hoffnungen und Träume
nicht ausreichen, um politisch effektiv zu arbeiten.
Das
tatsächliche Tun ist ganz einfach limitiert und man zahlt erst einmal das berüchtigte
Lehrgeld. So sind schnell die Grenzen der eigenen politischen Bildung erreicht:
man muss als junger Mensch neu erlernen, kritisch zu denken und zu reflektieren
- diese Fähigkeit wird in der Schule leider nicht vermittelt. Dies ist wohl der
schwierigste Schritt im Vergleich zu anderen Parteien. Der zweite Punkt, der
eine dauerhaft steigende Motivationskurve verhindert, ist der schnelle Verlust
der Illusion, dass man selbst die Welt verändern könne. Die Maßstäbe, mit
der Politik tatsächlich vollzogen wird stehen auf anderen Füßen, als dies ein
junger, revoltierender Kopf oft wahrhaben möchte. Der dritte und letzte Punkt,
der das Engagement in der Linkspartei für mich als Jugendlichen schwerer macht
ist letztlich der Schritt der dauerhaften Bindung durch eine Mitgliedschaft. Ist
man gefestigt genug? Kann man "mitspielen" in dem System, was man
eigentlich ablehnt?
Der
Umgang mit diesen Problemen ist ein dauerhafter Prozess und ich bin weit davon
entfernt, sie für mich gelöst zu haben. Aber bereits die Arbeit in der
Linkspartei, der Umgang mit anderen Engagierten, der wachsende Zuspruch auch von
Gleichaltrigen haben mich positiv überrascht und bei der Stange gehalten. Durch
die alternativen Denkanstöße zum politischen Alltag habe ich Zugang zu einer
differenzierteren und kritischeren Meinungsbildung bekommen, was mir bislang nur
geholfen hat.
R.
S.
|