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Haushaltdebatte
- eine endlose Geschichte
Am
15. März 2007 haben Mehrheiten in der Stadtvertretung die Beschlussvorlagen des
Oberbürgermeisters zum Haushaltsplan 2007 und zum Haushaltssicherungskonzept
2007 - 2012 abgelehnt. Der Haushaltsplan erhielt nur von der SPD die Zustimmung,
das Haushaltssicherungskonzept vornehmlich von der Linkspartei.PDS. Dass sich
die Fraktion der Linkspartei.PDS mit beiden Dokumenten ausführlich im Vorfeld
beschäftigte, war an den vielen Änderungsanträgen ersichtlich. Dass sie
weitere Bauchschmerzen mit den vorgeschlagenen Planzahlen hat, wurde in den
Debatten mehrmals erwähnt, auch, dass ihr Abstimmungsverhalten vor allem von
der Annahme ihrer Anträge abhängig ist. Beim Haushaltsplan wurde ein für uns
wichtiger Antrag - der Vorbehalt zur Finanzierung der Tiefgarage bis zur
Beschlussfassung zum HKB-Umbau - durch alle anderen Stadtvertreter abgelehnt.
Damit war der Haushaltsplan 2007 für uns nicht zustimmungsfähig. Dass die
CDU-Fraktion den Haushaltsplan ablehnen würde, war zu keiner Zeit erkennbar.
Die
eigentliche Kröte lag aber im Haushaltssicherungskonzept. In diesem waren Maßnahmen
entsprechend der Kienbaum-Studie aufgelistet, die wir mit unseren Änderungsanträgen
zum Teil ad acta legen wollten. Manche unserer Anträge fanden die Zustimmung
fast aller Stadtvertreter aus allen Fraktionen! Die Überraschung, dass wir bei
der Schlussabstimmung allein für dieses, nun geänderte Dokument stimmten, war
schon groß. Keine andere Fraktion hatte Änderungsanträge eingebracht, keine
andere Fraktion hatte inhaltliche "Bauchschmerzen" zu dieser
Beschlussvorlage angemeldet! Aber die Zustimmung zu einem in großen Teilen
durch sie selbst geänderten Papier blieb aus.
Wie
soll es nun weitergehen - die Frage wird an uns gestellt! Für die Vorlage der
Hauhaltsplanung ist laut Kommunalverfassung der Oberbürgermeister
verantwortlich. Statt sich nun daran zu machen, die durch Mehrheit angenommenen
Änderungsanträge einzuarbeiten und der Stadtvertretung das überarbeitete
Material erneut zur Beschlussfassung vorzulegen, will der Neubrandenburger Oberbürgermeister
warten, warten, bis sich Mehrheiten für seinen Haushalt finden. So haben
wir es jedenfalls aus der Zeitung erfahren. Wie er es aber realisieren will,
diese Mehrheiten zu finden, das sagt er nicht!
Die
Sitzung des Stadtpräsidenten mit Oberbürgermeister und Fraktionsvorsitzenden
am 28.03.2007 kam auf Drängen der Linkspartei.PDS zustande - ergebnislos! Bis
heute gibt es weder von Herrn Dr. Krüger noch von einer anderen Fraktion
Forderungen oder Bitten nach weiterführenden Gesprächen!
Dazu
muss man wissen: für den Oberbürgermeister ist die jetzige Situation die beste
überhaupt! Er entscheidet, was notwendig ist oder eben auch nicht - ohne
irgendeinen Stadtvertreter dazu fragen zu müssen. Und es sollte keiner glauben,
dass das Innenministerium oder der Landesrechnungshof ihm dabei wirklich auf die
Finger sehen. Das ist ein Märchen, das Dr. Krüger zur Beruhigung der Öffentlichkeit
und zu seiner Rechtfertigung über die Medien verbreiten lässt.
Der
Oberbürgermeister hat im Hauptausschuss am 29.03.07 informiert, dass er sowohl
den abgelehnten Haushaltsplan als auch das abgelehnte Haushaltssicherungskonzept
zu Handlungsgrundlagen für die Arbeit der Stadtverwaltung erklärt hat. Das
ist ein Unding! Die durch deutliche Mehrheiten der Stadtvertretung
abgelehnten Anträge werden vom OB Neubrandenburgs wie beschlossene Dokumente
behandelt! Das dürfte einmalig in dieser Bundesrepublik sein! Für
Neubrandenburg ist es ein Desaster und ein erneuter Beweis für das fehlende
Demokratieverständnis des Dr. Paul Krüger.
Wir
als Fraktion der Linkspartei.PDS haben beraten, wie wir mit dieser Situation
umgehen.
Nein,
wir haben nicht unsere Kritik an der Tiefgarage oder dem überteuerten Projekt
zum Umbau des HKB aufgegeben, wie es in der Neubrandenburger Zeitung stand. Wir
werden unsere Forderung nach Transparenz in den Vorhaben, und speziell beim
Umbau des HKB, nicht aufgeben. Den Bau der Tiefgarage können wir nicht mehr
aufhalten. Aber deutlich machen, dass wir auf die Investitionsprojekte und die
ständigen immensen Abweichungen zwischen Planungszahlen und den dann
realisierten einen kritischen Blick haben, das werden wir weiterhin!
Ja,
wir haben in der erwähnten Präsidiumssitzung gefragt, ob eine Abkopplung
unseres Antrages - Vorbehalt zur Finanzierung der Tiefgarage - vom Haushaltsplan
diesen beschlussfähig machen würde.
Aber
das war gar nicht das Problem von Oberbürgermeister und CDU!
48
T€ zusätzlich für das Literaturzentrum und 70 T€ für zusätzliche Förderung
freier Jugendarbeit und die dafür jeweils von SPD und Linkspartei.PDS
aufgezeigten Deckungsquellen gefallen nicht! Ein Streit um 118 T€ bei einem
Ausgabevolumen von über 180 Mio. €!
Eine
Fraktion der PDS oder der Linkspartei.PDS hat in den vergangenen 16 Jahren noch
nie einem Haushaltsplan mehrheitlich zugestimmt. Zu groß sind die Auffassungen
über wichtige und unwichtige Notwendigkeiten in dieser Stadt.
Einige
fragen, warum wir nicht auf die erneute Vorlage des Haushaltsplanes drängen.
Was würde sich dann ändern? Abgesehen davon, dass nicht sicher ist, dass ein
ähnliches Spiel wie am 15.03. stattfindet, hebt ein Beschluss über den
Haushalt die vorläufige Haushaltsführung nicht auf. Die wird weiter nach Gutdünken
des Oberbürgermeisters praktiziert. Das wird andauern bis zur Bestätigung des
Haushaltsplanes durch das Innenministerium. Und hier ist das nächste Problem:
wie schon 2006 liegen auch 2007 nicht die kompletten prüffähigen Unterlagen
vor, somit findet keine Prüfung im Innenministerium statt.
Wir
sind der Meinung, für die Haushaltsmisere in dieser Stadt soll der Oberbürgermeister
allein gerade stehen. Er ist in der Pflicht!
Irina
Parlow
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