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Haushalt
2007 - und kein Ende
Auszüge
aus der Rede von Irina Parlow, Fraktionsvorsitzende Linkspartei.PDS
Schlamperei
im Rathaus
Was
hier vor mir liegt, ist das Dokument, worüber wir beraten - ein Papierberg von
6.6 kg. Und will man dann noch wirklich sachkundig entscheiden, kommt man um das
Studium des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK), des Konzeptes zur Sicherung der
finanziellen Leistungsfähigkeit des Eigenbetriebes Städtisches
Immobilienmanagement (SIM), des Feuerwehrbedarfplanes und des Endberichtes der
Kienbaumstudie nicht herum!
Die
Linkspartei.PDS hat zu Beginn der Haushaltsdebatte eine 2. Lesung angemahnt - in
Anbetracht dieser für uns schwer realisierbaren Aufgabe. Da gab es einen
Aufschrei: das Innenministerium hat angeordnet und das Innenministerium wird den
Zwangsverwalter herschicken und das wäre doch wirklich das Letzte! Mit der
Zwangsverwaltung gebe ich Ihnen Recht. Aber die vom Innenministerium aufgemachte
Terminstellung - die wird nun wirklich nicht von der Stadtvertretung und auch
nicht von der Fraktion der Linkspartei.PDS torpediert. Erinnern Sie sich noch an
die Empörung, als im September 2006 die Antwort des Innenministers auf den
Haushaltsplan 2006 kam und Nachbesserungen gefordert wurden? Wie kann es sein,
dass das erst im September 2006 geschah? Wir haben nachgefragt -
Anfrage
an die Landesregierung: Womit begründet die Landesregierung die Tatsache,
dass sie erst nach einem reichlich halben Jahr auf den Beschluss der
Stadtvertretung reagiert?
Antwort:
"Die Annahme, das Innenministerium habe erstmalig nach einem halben
Jahr auf den Beschluss der Stadtvertretung Neubrandenburg reagiert, ist
unzutreffend.
Der
Beschluss der Stadtvertretung wurde am 15.12.2005 gefasst, Haushaltsunterlagen
gingen jedoch erst am 20.02.2006 im Innenministerium ein. Diese Unterlagen waren
nicht vollständig und damit nicht prüffähig. Mit Schreiben vom 27.03.2006
erging deshalb die Aufforderung an die Stadt Neubrandenburg, fehlende Unterlagen
bis zum 05.05.2006 nachzureichen. Das Prüfverfahren konnte erst nach Vorlage
der vollständigen Unterlagen abgeschlossen werden".
So
sieht Mitwirkung der Stadtvertreter in Neubrandenburg aus!
Für
uns gibt es aber noch ein anderes Problem: Warum sollen wir uns überhaupt zum
Haushaltsplan positionieren und hier diskutieren - wie es eigentlich unser
verfassungsmäßiger Auftrag ist?
Haben
nicht insbesondere die letzten Monate gezeigt, dass die Meinung der
Stadtvertretung nur dann zählt, wenn uneingeschränkte Zustimmung zur Position
des Oberbürgermeisters erfolgt?!
Beispiele
gefällig? Haushaltsperre 2006 - lässt der Oberbürgermeister durch seinen
Widerspruch platzen - wegen 42 T€, obwohl das Innenministerium die Auflage zum
Herstellen des Einvernehmens erteilt hatte; Eckwertebeschluss 2007: der Oberbürgermeister
droht mit Widerspruch und die CDU kippt den Beschluss, wieder wegen
Zahlenwerten, die bei einem Gesamthaushalt von 180 Millionen € eigentlich
keine unüberbrückbare Hürde sein sollten.
Und
nun lese ich in der Zeitung, dass der Oberbürgermeister mit Pastor Borchardt
Entscheidungen für die Stadt trifft. Ich meine: Gottes Segen kann unserer Stadt
nicht schaden, aber Pastor Borchardt ist bisher weder Stadtvertreter noch
sachkundiger Einwohner, auch glaube ich nicht, dass er eine ZBV-Stelle im Büro
des Oberbürgermeisters innehat.
Aber
die Frage darf doch gestellt werden: Wozu soll die Stadtvertretung entscheiden,
wenn doch alle ihre Meinungen negiert werden? Herr Oberbürgermeister - wenn Sie
beschlossene Dokumente zum Haushalt haben wollen, zeigen Sie endlich den Willen,
mit uns zusammen zu arbeiten und wenigstens nach Kompromissen zu suchen! Wir
sind genauso Bürger dieser Stadt wie Sie, sind gewählte Vertreter genau wie
Sie. Auch wir wollen, dass Neubrandenburg eine lebens- und liebenswerte Stadt
ist. Dass die Meinungen dazu - was das ist - manchmal auseinander gehen - ist
normal. Dass die Suche nach Kompromissen nicht möglich sein soll - ist es
nicht!
Die
Wahrheit über Zwangsmaßnahmen
Ich
denke die Verwaltung hat uns hier in kurzer Zeit ein Zahlenmaterial vorgelegt,
das unschwer erkennen lässt, dass die Sparzwänge dieser Stadt enorm sind.
Obwohl wir 2007 mehr Einnahmen als 2006 haben, werden wir wieder wesentlich höhere
Ausgaben verbuchen müssen. Der Haushaltserlass 2006 hat uns vom Innenminister
folgende Vorschläge für 2007 gebracht:
-
Reduzierung freiwilliger Leistungen,
-
Zuschüsse kommunaler Unternehmen auf das unabweisbare Maß beschränken,
-
Kalkulationsgrundlagen für Kostenrechnende Einrichtungen prüfen,
-
Hebesätze anpassen an Landesdurchschnitt der kreisfreien Städte,
-
Befristete Teilzeitregelungen zu Stelleneinsparungen überführen,
Schauen,
was das Verwaltungsmodernisierungsgesetz bringt.
Und
er macht deutlich: Es bleibt unsere Entscheidung ob wir die
vorgeschlagenen Haushaltssicherungsmaßnahmen realisieren oder andere. Die in
Zahlen gegossenen Schlussfolgerungen des Oberbürgermeisters liegen in Form des
Haushaltsplanes und Haushaltssicherungskonzeptes vor. Es wird an mancher Stelle
gespart aber längst nicht an allen.
Beispiele,
die wehtun:
Im
Bereich Kultur - Jugend - Soziales
Kulturelle
Einrichtungen müssen gewaltig Federn lassen und die freien Strukturen ebenso
z.B.
Allgemeine
Pflege der Kultur - 48.000 €
Sonstige
Jugendarbeit - 58.000 €
Jugendsozialarbeit
- 30.000 €
Förderung
der Wohlfahrtpflege -176.000 €
Dem
gegenüber müssen wir uns eine immer teurere Stadtbeleuchtung leisten und ein
uneffektives Stadtmarketing, einen Flugplatz, dessen Verluste wir ausgleichen,
und ich mich frage, wem nützt es wirklich? Es ist ersichtlich, dass
Aufgabenkritik nicht vollständig erfolgte. Es entsteht der Eindruck willkürlicher
Mittelzuweisungen bzw. Streichungen. Poltische Beschlüsse scheinen Schall und
Rauch, die Finanzen werden es schon regeln!
Wozu
haben wir aber ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept beschlossen? Wozu das
Kulturentwicklungskonzept, Konzepte für Einrichtungen wie Museum,
Kunstsammlung, Bibliothek u.a.? Wozu haben wir eine Jugendhilfeplanung, eine
Schulentwicklungsplanung und Bildungskonzepte?
Im
Haushaltserlass wird auf die Anhebung aller Steuern - Grundsteuern und
Gewerbesteuern - verwiesen; warum folgen Sie nicht dieser Aufforderung?
Wo
sind die Reserven?
Beim
Personal ist gespart worden - ohne Frage, aber warum finden sich noch
immer unbesetzte Stellen im Stellenplan - statt sie ganz zu streichen? Warum
sind ca. 20 Anträge auf Altersteilzeit abgelehnt worden? Warum wird nicht auch
eine Aufgabenkritik bei der Personalplanung vorgenommen? Sind die vielen
Koordinatoren und Manager wirklich alle nötig und ausgelastet? Oder verstecken
sich hier ein paar ZBV? Was passiert eigentlich, wenn die älteren Mitarbeiter
in Altersteilzeit gegangen sind? Wo ist das Personalkonzept für die
Stadtverwaltung?
Wir
meinen, eine Verwaltungsstruktur mit 3 Fachbereichen genügt. Der Fachbereich 5
ist seit seiner Schaffung Ende 2005 ohne Leitung. Was hier der
Bildungskoordinator zu suchen hat - weiß wohl keiner so richtig, der
Fachbereich heißt Wirtschaft & Soziales! Aber nicht nur der
Fachbereichsleiter, seine Sekretärin und der Koordinator für Wirtschaft und
Soziales sind nicht besetzt, auch der Abteilungsleiter Beschäftigungsförderung
ist nicht besetzt. Die Aufgaben werden durch andere Mitarbeiter erledigt. Also:
streichen Sie diese Stellen, sortieren Sie die Verwaltung um!
Der
Eigenbetrieb Immobilienmanagement frisst uns auf!
Ein
Wort zu den Mieten: Der Eigenbetrieb (SIM) soll seine Einnahmen haben, aber
die Mietsteigerungen im Haushaltsplan sind so unterschiedlich, dass sie nicht
erklärbar sind. Und selbst wenn heute dazu noch Erklärungen folgen - gerade im
Bereich der Schulen und der Kultur fressen die Mietsteigerungen Mittel auf, die
für die inhaltliche Arbeit mehr als nötig wären. So fehlen dann die Mittel für
Ankauf, Ausstellungen und Publikationen, aber auch für Öffentlichkeitsarbeit
im Museum und der Kunstsammlung, in der Volkshochschule und in einigen Schulen
der Stadt. Ganz zu schweigen von den freien Trägern! Das war doch aber nicht
das Ziel der Maßnahme "Gründung des Städtischen
Immobilienmanagements"!
Wir
erwarten, dass zu dieser Problematik im Jahr 2007 sachliche Diskussionen
erfolgen. Und der Oberbürgermeister hat ja betont, dass die Haushaltsdiskussion
nicht mit dem heutigen Tage abgeschlossen sein wird.
Was
wir fordern!
Zu
den Anträgen, die Ihnen von uns vorliegen: Im ersten geht es um eine
Mittelumschichtung: Im Jugendbereich fehlt Geld bei den freien Trägern und der
Hintersten Mühle. Wenn wir 70 T€ aus der Verwaltung des Fachbereiches 5
nehmen, können hier die Fehlbedarfe ausgeglichen werden.
Die
Anträge zu den Städtebaufördermitteln dürften Ihnen aus den vergangenen
Jahren bekannt sein. Wir wollen Klarheit im Haushalt bei allen Positionen.
Der
4. Antrag ist eine Beschlusskontrolle: Am 06.07.2006 beschloss die
Stadtvertretung, dass uns die Bauplanung zum Medien- und Veranstaltungszentrum (MVZ)
zur Beschlussfassung vorzulegen ist. Bisher erfolgte das jedoch nicht. Es soll
aber in wenigen Tagen mit dem Bau der Tiefgarage, die eng mit dem MVZ verbunden
ist, begonnen werden. Wir fordern mit unserem Antrag, dass die Mittelfreigabe für
den Bau der Tiefgarage erst dann erfolgt, wenn uns die Bauunterlagen zum MVZ
vorgelegt wurden. Wenn das, wie avisiert, im April oder Mai geschieht, kann der
Haushaltsvorbehalt noch vor Haushaltsbestätigung durch das Innenministerium
aufgehoben werden.
Allerdings
macht die Fraktion der Linkspartei.PDS ihr Abstimmungsverhalten zum
Haushaltsplan davon abhängig, wie die vorliegenden Anträge entschieden werden.
Daher bitte ich um eine Auszeit vor der letzten Beschlussfassung. Ich danke für
Ihre Aufmerksamkeit.
Irina
Parlow
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