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Februar 2007

Büroraum auf dem Friedhof

 

Kienbaum-Berater haben der Stadt Köln Sparvorschläge gemacht Kritik von Behörden und Politik von Jochen Bülow (Neues Deutschland vom 24.01.2007)

Die Unternehmensberatung Kienbaum hat Einsparvorschläge für den Kölner Stadthaushalt vorgelegt. Jetzt werden zwei Drittel dieser Vorschläge offenbar wieder eingespart. Der Grund: Wunschdenken und falsche Zahlen.

"Standardreduzierung" "Personal einsparen" in der "Haushaltsstrukturanalyse Stadt Köln" fehlt keines der Worte, die man von einem Kienbaum-Gutachten erwartet. Was das Papier allerdings entbehrt: Fachliche Kompetenz.

Genüsslich kolportiert die Kölner Lokalpresse, dass Amtsleiter Einsparvorschläge als "absurd und substanzlos" bezeichnen oder Kienbaum gar "unsauberes Arbeiten" vorwerfen. In der Tat mutet befremdlich an, was die Berater so zusammengerechnet haben: So wurden die Flächen aller möglichen städtischen Bauten addiert und dann durch die Zahl der Mitarbeiter geteilt. Das Ergebnis: Rund 240 000 Quadratmeter Bürofläche zu viel. Peinlich, dass dabei auch Friedhofsflächen, das Krematorium, der Ratssaal und viele andere Flächen mit eingerechnet wurden.

Bei Kienbaum heißt es dazu, die Stadt habe falsche Zahlen geliefert - was diese wiederum bestreitet. Kienbaum soll jetzt nachbessern.

Fragwürdig sind auch viele andere Ideen der Berater: Insgesamt halten Politik und Verwaltung von 132 Vorschlägen gerade mal 50 für umsetzbar. Damit werden von rund 90 Mill. Euro, die Kienbaum bis 2010 einsparen wollte, gerade einmal rund 7,5 Mill. pro Jahr als realistisch angesehen.

Arbeit am Rosenmontag?

Selbstbewusst hatten die Berater verkündet, es ginge in Köln nicht um "Sparbeträge im Gegenwert von Kaltgetränken". So schlug man unter anderem vor, den dienstfreien Rosenmontag im Karneval abzuschaffen: "Urlaub statt Brauchtums-Dienstbefreiung" soll drei Mill. Euro bringen. Natürlich weiß Kienbaum, dass Arbeiten Im Karneval nicht möglich ist und dass es für den Vorstoß auch keine politische Mehrheit gibt. Die Linkspartei befürchtet denn auch, dass die Idee einen ganz anderen Grund hat: "Das freut vor allem die Unternehmen in und um die Karnevalshochburg Köln, die sich dann mit Hinweis auf eine neue Regelung in der Stadtverwaltung von ihren eigenen Betriebsvereinbarungen verabschieden könnten: Das würde einen Dominoeffekt auslösen", sagt Fraktionschef Jörg Detjen.

Detjen will nun die "unsozialen Reste des Gutachtens stoppen". Ihm geht es vor allem um die Mitarbeiter . Kienbaum behauptet, "Köln kann und muss Personal einsparen. Entgegen eines weit verbreiteten Irrtums" sei dies in den letzten sieben Jahren nicht geschehen. Die Gewerkschaft ver.di hält dem entgegen, dass die Verwaltung schon seit fünf Jahren Personal abbaue: insgesamt rund 4800 Stellen. Die Aufgaben würden zum Teil von Privatanbietern übernommen, seien teilweise aber auch ganz entfallen. Würden die nun vorgeschlagenen Kürzungen von gut 35 Mill. Euro umgesetzt, bedeutete dies einen erneuten Abbau von etwa 700 Stellen.

Schramma ist enttäuscht

Nicht zuletzt soll wieder einmal auf dem Rücken der Ärmeren gespart werden. Hartz-IV-Bezieher sollen in nicht vorhandene kleinere Wohnungen ziehen, wieder einmal soll der Kindergarten teurer werden - diesmal das Essengeld, und auch wer Schwimmen für gesund hält, soll künftig mehr berappen. Die soziale Schieflage ist sogar Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) aufgefallen, der sich "enttäuscht" über das Gutachten zeigte. Immerhin hat die Stadt für die Studie 180 000 Euro bezahlt.

 

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