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Eckwertebeschluß
Rede
der Fraktionsvorsitzenden, Irina Parlow, zur Stadtvertretung am 01.02.07
"Sehr
geehrter Herr Stadtpräsident, sehr geehrte Damen und Herren, um es vorweg zu
nehmen: Der Eckwertebeschluss ist das Papier nicht wert, auf das er gedruckt
ist. Unsere Kritikpunkte fangen bei der Grundlage an.
Sie,
Herr Oberbürgermeister, meinen, die Eckwerte lassen sich auf der Basis des
Haushaltsplanes 2006 einschließlich der ausgesprochenen Sperre ableiten. Sie
hatten doch aber den Auftrag, Einvernehmen mit der Stadtvertretung zur
Haushaltssperre herzustellen! Das ist doch gar nicht erfolgt! Die von der
Mehrheit der Stadtvertretung geforderten 43 T€ für Jugend- und Sozialarbeit
aus der Sperre zu nehmen und in anderen Bereichen zu erschließen, das haben sie
nicht fertig gebracht. Sie haben dem Beschluss der Stadtvertretung widersprochen
und schließlich auch die Beanstandung ausgesprochen, die ja wohl noch beim
Innenministerium liegt. Wir haben auch keine Reaktion auf die von Ratsfrau Muth
vorgeschlagenen Einsparungen! Für uns ist damit das Verfahren schwebend - also
fehlt die Haushaltsgrundlage aus 2006!
Darüber
hinaus sind noch weitere Widersprüche ersichtlich: Bei den Verhandlungen zum
Haushaltsplan 2006 und auch bei den Diskussionen zur Sperre ist zu verschiedenen
Punkten in den Bereichen Jugend, Kultur und Soziales bemerkt worden, dass die
Mittel nicht ausreichen, um die angestrebten Leistungen zu bringen. Bei den
Diskussionen zur Sperre wurde mehrfach darauf verwiesen, dass manches 2006 nicht
Mögliche auf 2007 verschoben wird. Wie soll das aber mit diesen Zahlen gehen?
Und
es gibt noch anderes: Es ist Ihr ehrgeiziges Projekt, mit zusätzlichen Wieckhäusern
eine Museumsmeile zu etablieren. Selbst Sie müssten wissen: das kostet zusätzlich
Geld, vor allem Miete. Beim Museum haben sie in der Sperre 2006 schon 32 T€
gestrichen und angedachte Projekte mussten entfallen. Wo ist der Ausgleich dafür,
wo sind die zusätzlich notwendigen Mittel für die Museumsmeile? Bezahlen Sie
das aus eigener Tasche?
Bleiben
wir bei den Museen: Die Abrechnung des Haushaltskonsolidierungskonzeptes 2006
-2010 zeigt unter Maßnahme 2006/4/2, dass die Auslagerung der Aufsicht und der
Kasse bisher nicht zu Einsparungen, sondern zu Mehrbelastungen führte. Die Begründung
dafür ist klar. Und es ist absehbar, dass auch 2007 diese Mehrbelastungen
auftreten. Klar ist nur nicht, warum die Kunstsammlung jetzt diesen
"schwarzen Peter" zugeschoben bekommt, obwohl doch Sie, Herr Oberbürgermeister,
ganz persönlich für diesen Schlamassel verantwortlich sind. Denn es war der
Oberbürgermeister, der 2003 zur Eröffnung der Kunstsammlung vehement dagegen
sprach, von Anfang an Kasse, Aufsicht und Cafe privat bewirtschaften zu lassen!
Es hätte eine Menge Geld gespart werden können im Laufe der Zeit und die
jetzige Doppelbelastung wäre ganz entfallen. Dieser, Ihrer persönlichen
Fehlentscheidung, fallen nun aber wieder Projekte der Museen zum Opfer. Ganz
nebenbei - auch der Kunstsammlung sind mit der Sperre 2006 39 T€ abhanden
gekommen.
Und
zum Schluss noch die Mieten: Es ist ja verständlich, dass SIM (Städtisches
Immobilienmanagement) seine Einnahmen erhöhen soll. Das muss man aber doch im
Komplex sehen! Für die Museen sind mit der Sperre 2006 70 T€ gekürzt worden,
die sind bisher nicht wieder aufgetaucht. Aber Bescheide über Mieterhöhungen für
2007 über 200 T€, die sind inzwischen da! Und dabei ist, wie ich bereits
vorhin sagte, die Museumsmeile nicht berücksichtigt. Herr Oberbürgermeister,
gestern war in der Zeitung zu lesen, Sie setzen sich für die Museen in
Neubrandenburg ein - wenn ich den Zahlensalat dazu betrachte, dann kann ich nur
sagen: Ihre Worte sind Schall und Rauch!
Uns
ist aber auch im Eckwertebeschluss aufgefallen: Sie strukturieren offensichtlich
wieder um! Im Prinzip wäre nichts dagegen zu sagen, aber - welche finanziellen
Ergebnisse haben Sie denn durch die bisherigen Umstrukturierungen erreicht?
Sollten diese nicht unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduzierung geschehen? Es
ist eine alte Weisheit, dass es einer gewissen Einlaufphase bedarf, bis die
Effektivität spürbar höher wird. Wie kann das aber geschehen, wenn Sie von
einer Einlaufphase in die andere stolpern, besser gesagt, die Mitarbeiter und
Strukturen stolpern lassen? Was ist z.B. mit dem Stadtmarketing? Erst gar nicht,
dann ein bisschen, eigentlich bei den städtischen Gesellschaften - erst VZN,
jetzt Stadtentwicklungsgesellschaft - angesiedelt und nun zusätzlich mit
Mehrkosten im OB Bereich - auf dass dieser wachse und gedeihe! Von besserem
Stadtmarketing selbst ist allerdings nichts zu spüren!
Ein
anderes Problem: Dezentrale Ressourcenverantwortung - wo findet die denn tatsächlich
statt? Wie sind die Auswirkungen dieses Verfahrens? Erleben wir nicht täglich,
dass die Fachbereiche eben nicht in ihren Budgets eigenständig entscheiden können,
auf ihre Fachkompetenz kaum etwas gegeben wird? Die zentrale Steuerung sollte
dort eingreifen, wo es sinnvoll ist - die Beispiele, die Frau Muth aufgelistet
hat, wären da ein Ansatzpunkt! Und denken sie nur an die Papier- und
Portokosten für die städtischen Gebührenbescheide. Aber hierzu schweigen die
Götter - oder wer auch immer.
Meine
Damen und Herren,
hier
stehen Zahlen, die den Ansprüchen der formulierten Ziele auf den Folgeseiten
nicht genügen! Wenn nun noch der Oberbürgermeister eigenmächtig Vorschläge
aus der öminösen Kienbaumstudie umsetzt, weiß ich nicht, was hier tatsächlich
diskutiert werden soll! Wir sollen als Stadtvertretung wieder mal von diesem
Oberbürgermeister zum Narren gehalten werden. Die Fraktion der Linkspartei.PDS
spielt dieses Spiel nicht mit."
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