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DOKUMENTE
- STANDPUNKTE - PRESSE
Gedanken
nach der OB-Wahl 2008 in Neubrandenburg
Mit
erstmals acht Kandidaten bei der Direktwahl eines Oberbürgermeisters
für Neubrandenburg war es ein fast gigantisches
„Meinungsmessen“. Die Neubrandenburger Zeitung hat viel dazu
beigetragen. Keine der von einem Kandidaten oder von den
Parteien in der Stadt veröffentlichten Vorstellung über das
Agieren eines OB unter den Neubrandenburger Verhältnissen wurde
nicht sogleich von den anderen Kandidaten ebenfalls
aufgegriffen. Auch ins Ohr gehende Visionen tauchten auf.
Es
ist sogleich aber auch deutlich geworden, dass eine Frage
weitestgehend ausgespart blieb: Der Schuldenstand der Stadt und
seine Konsequenzen für die nächsten Jahre.
Dazu
sollte man wissen, dass von Land und Bund ein deutliches
Absenken aller finanziellen Zuwendungen an Kommunen ab dem
HH-Jahr 2009 signalisiert ist.
Somit wird die obige Frage
zunehmend das Handeln des OB und der Stadtvertreter bestimmen.
Es
wird im Land M-V sicherlich nicht mehr akzeptiert werden, dass
unser Haushaltssicherungskonzept
selbst über die nächsten zehn Jahre keine Gesundung der städtischen
Finanzen in Aussicht stellt.
Mit
dem HH-Entwurf für 2008 hat allein die Stadt ohne SIM die Summe
von 118 Mio € an Verbindlichkeiten zu bewältigen.
In den Wahldebatten
war oft nur von rd. 50 Mio € Schulden der Stadt zu hören. Was
im SIM anliegt und wie hoch die von der Stadt an städtische
Unternehmen vergebenen Bürgschaften sind, blieb kaum beachtet.
Warum wohl ? Allein im SIM ist doch allein für 2008 die
Neuaufnahme von Krediten in Höhe von rd. 5,6 Mio € geplant
und aus dem Budget der Stadt sollen dem SIM weitere 6,5 Mio €
zufließen. Hinzu kommen noch 2,17 Mio € , die für
2009 vorab bestätigt wurden.
Alles
das fand in der Stadtvertretung seine mehrheitliche Zustimmung.
Nichts
besonders neues, folgen sie damit nur dem Politikstil des Dr. Krüger,
den er seit Jahren pflegt. Seine vor Jahren liebste Losung war
doch „Schulden sind nicht ehrenrührig“.
Nunmehr
heißt die Losung „Lasst den Krüger arbeiten“. Ein solches
Arbeiten bedeutet in meinen Augen aber nichts anderes, als die
Schulden der Stadt weiter zu erhöhen. Schon jetzt ist absehbar,
dass er auch für die Finanzierung des Umbaus des HKB zu Medien-
und Veranstaltungszentrum die
Bürgschaft der Stadt benötigt, damit Kredite für die NEUWOGES
möglich werden. Zur Erinnerung: Gesamtkosten von über 28,0 Mio
€ sind hierfür angekündigt!
Aber
sein „Wirtschaften“ zeigt sich auch an anderen Beispielen.
Noch
bevor seine Wiederwahl sicher war, ließ er durch den
Hauptausschuss der Stadt die komplexe Modernisierung der
Sporthalle Rasgrader Straße beschließen. Eine Immobilie des
SIM, dessen Wirtschaftsplan diese Maßnahme bis 2012 nicht
vorsieht. Eine Beratung über das inhaltliche Erfordernis konnte
so also in der HH-Debatte der Stadtvertretung nicht stattfinden.
Es wurde als nicht erforderlich eingestuft, obwohl die dazugehörige
Schule in diesem Jahr noch abgerissen wird. Eine Bestätigung
des HH und somit des Wirtschaftsplanes durch das Land zu allem
liegt noch nicht vor.
Und
es geht so weiter. In ihrer Sitzung am 26.06.2008 soll die
Stadtvertretung seinem Entwurf des
B-Planes „Stargarder Bruch – Nord“ zustimmen.
Für die darin geplanten Einzelmaßnahmen (Sportplatz, Sanitärgebäude,
Parkplatz, Tribüne für 2000 Zuschauer, Brücke über den Gädenbach,
Ausbau des Knotens NZ- Str. / C.-Zetkin-Straße, Ausgleichsmaßnahmen
für die Eingriffe in Natur, Regenwasserrückhalteteich) dürfte
ein geschätzter Finanzmittelbedarf von 10,0 Mio € eher zu
kurz gegriffen sein. Die im Wirtschaftsplan SIM bis 2011
geplante Gesamtausgabe von 1,0 Mio könnte höchstens die
Sportplatzfläche erbringen und erweckt den Eindruck einer
kommunalpoltischen Anfütterung. Es ist also doch der Weg einer
ungebremsten weiteren Verschuldung. Nur die Stadt kommt als
Investor in Frage.
Dieser
Politikstil setzt sich fort.
Dr.
Krüger hat in seinem jüngsten Interview mit der
Neubrandenburger Zeitung die Schuldenlast auch nicht
angesprochen.
Seine Vision von der
Anbindung der Stadt an den Tollensesee möchte er aber ohne Verzögerung
fortsetzen. Jede
Einzelmaßnahme auf diesem Weg (Standort Sportgymnasium,
Stargarder Bruch-Nord) nannte und nennt er alternativlos.
Nunmehr steht auch ein neues Pflege- und Entwicklungskonzept
Kulturpark zur alsbaldigen Entscheidung an. Die Prioritätenliste
der Maßnahmen orientiert auf neue „Ausgabemillionen“; usw.
usf.
Es
scheint mir unabwendbar, dass nach der Kommunalwahl im Jahr 2009
die Entscheidung zur Entschuldung der Stadt auf die Tagesordnung
kommt. Die Möglichkeiten
hierfür sind nicht breit gefächert und die Restschulden der Städtischen
Gesellschaften aus den gewährten Ausfallbürgschaften
(neuwoges rd. 32,1 Mio €; neu.sw rd. 25,2 Mio €)
wiegen schwer. Über das Wirken dieser hohen Schuldenlast heute
nicht zu sprechen, ist wohl mehr ein Kopf- in- den- Sand-
stecken. Die Frage
nach der Kreisfreiheit
der Stadt im Zuge einer Funktional- und Gebietsreform ist davon
unabhängig. Der Verlust der Kreisfreiheit bringt keine
Entschuldung.
Herbert
Doberenz
p.
s.: Ich habe meinem
akademisch gebildeten, aber haushaltstechnisch
nicht belasteten Nachbarn den Text vorgelesen.
Sein Urteil: “Das interessiert keinen Bürger. Die wollen
etwas bewegt haben. Woher das Geld kommt, ist den meisten
schnuppe.“ Meine Frage: „Du hast doch sicherlich auch die
gewählt, von denen du glaubst, dass sie mit Geld umgehen können?“
„Na klar!“ so seine Antwort. Also
dann, vorwärts in die nächsten Haushaltsjahre der Stadt
Neubrandenburg !
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