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Rede zum Haushaltsentwurf 2008

Sehr geehrte Damen und Herren,

sie erwarten sicher nicht, dass es mit mir zum HH-Plan 2008 ein 2-Minuten-Tagesordnungspunkt wie im Landkreistag MST wird. Und dass ich mich überwiegend zum Vermögenshaushalt äußere, verwundert sicher auch nicht. Doch zum doppischen HH-Teil komme ich auch!

Der zur Beschlussfassung vorliegende HH-Plan-Entwurf für 2008 ist kritisch. Das Haushalt-Sicherungs-Konzept (HSK) der Stadt und auch des städtischen Immobilienmanagements (SIM) sollen uns künftig in bessere Verhältnisse führen. Angekündigt ist es für das Jahr 2016! Die Fraktion DIE LINKE hat daran starke Zweifel.

In diese Lage sind wir vor allem durch die Steuerpolitik der Regierungen in den letzten 10 (zehn) Jahre gekommen. Und es zeichnet sich kein Umdenken ab.

Aber auch unser eigenes Handeln hat zur jetzigen HH-Lage der Stadt beigetragen. Waren unsere HH-Beratungen unmittelbar nach 1998 noch von Vorsicht geprägt, denn kaum jemand war sicher, wohin der Rubel rollt, hatte doch auch unsere Stadt in beträchtlichem Umfang bereits eingenommene Steuern wieder zurück zu zahlen, so scheint heute ein gewisses Draufgängertum vor zu herrschen.

Außer Frage steht, dass die Investitionsmöglichkeiten auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen möglichst voll auszuschöpfen sind. Maßvoll, denke ich; und wir meinen auch, dass uns angesichts der sich stetig verschlechternden HH-Lage etwas Zurückhaltung und kritischeres Herangehen bei den Einzelmaßnahmen besser bekommt. Oder noch anders: Wir beschließen Ausgaben unter einem Tabu! Beispiele kennt jeder. Hier mein ganz spezielles Beispiel der Entscheidungen trotz unbekannter Faktoren: Noch immer bleibt den Stadtvertretern der Einblick auf die tatsächlichen Höhe der Eigenmittel bei den Einzelmaßnahmen der zwei treuhänderisch tätigen Sanierungsträger verschlossen .

Es irrt, wer mit der Vorstellung lebt, dass der städtische Haushalt, wie bei URBAN-II, jeweils nur zu 25% belastet ist. Auch wenn die Einzelmaßnahme mit Städtebauförderungsmitteln unterstützten ist, sind wir in aller Regel mit 60% dabei. Die Belastungen der Stadtwerke berühren uns bei Entscheidungen kaum. Was die allgemeine Entwicklung kennzeichnet, die von der Stadtvertretung zumindest mehrheitlich gestützt wird, muß ich im einzelnen nicht aufzählen. Nur eines dazu: Wir finanzieren bereits Investitionen mit Hilfe von Kassenkrediten, die doch als solche nur kurzzeitige Schwankungen zwischen Einnahmen und Ausgaben überbrücken sollen. Und wir werden mit unserem HH wieder vor der Schuldnerberatungsstelle stehen.

Zum HH 2007 waren von dort die letzten Signale nicht erbaulich;

- nicht genehmigt die Kreditaufnahmen für Investitionen und Investitionsfördermaßnahmen

- nicht genehmigt die Verpflichtungsermächtigungen, und

- abgesenkt das Volumen der Kassenkredite und unter eine monatliche Meldepflicht gestellt.

Nicht viel besser beim Städtischen Immobilienmanagement! Und im Aufstellungserlass des IM für den HH-Plan 2008 wird uns unübersehbar mit der Aufhebung der kommunalen Selbstverwaltung gedroht; für den Fall, dass ein HSK nicht den Anforderungen entspricht. Also, wir alle hier im Saal könnten in diesem Falle nach Hause gehen. Aber es ist aus unserer Sicht keine sehr ernst zu nehmende Drohung.

Kreisfreien Städte in M-V unter Kuratel der Landesregierung - ein deutlicheres Bild für ein Versagen der Politik könnte es kaum geben.

Aber es wird gedroht. Und was machen wir? Wir provozieren! Unser HSK weist aus, dass frühestens in 8 Jahren (2016) ein ausgeglichener HH erreicht werden könnte. In 3 bis 4 Jahren sollte es aber sein.

Und nutzen wir alle Potentiale? Schauen Sie auf die Maßnahme Gewinnabführung der NEU.sw. In dieser Sache prüfen wir schon jahrelang und geschrieben steht; es könnten ab 2010 rd. 1,0 Mio EUR für das Stadtsäckel sein. Ist es nicht sehr bedenklich, wenn man über die Regionalpresse von 1,0 Mio EUR erfährt, die die NEU.SW in die Eröffnung eines neuen Geschäftsfeldes gesteckt haben soll? Im Finanzausschuss war zu hören: Die Verlustvorträge - auch mit den vor Jahren plötzlich aufgetauchten Verlusten von 22,0 Mio€ - wären erst abzubauen, dann sehen wir weiter.

Wenn es im Bund und Land politisch mehrheitlich so gewollt ist, dass die Stadt sich selbst aus dem HH-Loch zieht, dann haben sie auch bitte mehrheitlich den Mut, über Gewinnabführungen zu Gunsten der Stadt ernsthafter zu beraten und zu entscheiden. In den geplanten Verpflichtungsermächtigungen. (Bd. 1 Seite 37) liegt der auffälligste Verstoß gegen geltendes Recht.

Der Fraktion der Linken gelingt es z. B. nicht, den § 53 Kommunalverfassung des Landes so zu interpretieren, dass die Anschaffung einer Selbstverbuchungsanlage (SVA) für die Regionalbibliothek für 450,0 TEUR nur als eine Folgeinvestition verstanden werden kann, die 2009 fortgeführt werden muß. Wer dazu noch weiß, dass nach aktueller Planung der Umbau des HKB zum MVZ die Häuser A, B, und C gleichzeitig erfassen und frühestens Mitte 2010 beendet sein soll, der kann die Beschaffung und Installation einer SVA im Jahr 2009 nur als völlig unreif, wir meinen als verfrüht erkennen. Wenn schon, dann gehört diese Ausgabe in den HH-Plan 2009.

Eigentlich ist es noch viel schlimmer: Bei einem unausgeglichenen HH lässt das Gesetz das Einstellen von Verpflichtungsermächtigungen (VE) gar nicht zu.

Oder nehmen wir den Wirtschaftsplan des SIM. Hier sind für 2008 die VE in Höhe von 2,67 Mio EUR für (4) Vorhaben eingestellt. Aber eine davon (Umbau Sportgymnasium Haus 2) ist für die Realisierung erst 2012 vorgesehen. Das kann in Schwerin nur als Provokation aufgefasst werden. Man wird sicherlich wieder mit Totalstreichung reagieren.

Wo liegt der Vorteil für NB, wenn wir auf diese Art und Weise unseren Unmut darüber äußern, dass Bundes- und Landespolitik die fiskalischen Grundlagen für die kommunale Selbstverwaltung seit langem untergraben hat?

Wird die Rechtsaufsichtsbehörde es als Kinderkrankheit eines Doppik- Frühstarters hinnehmen?

Man könnte es sich wünschen, aber es geht hier nicht um Produkte aus dem ehemaligen Verwaltungshaushalt. Es geht um unsere Haltung zu Investitionen. Mir scheint, dass wir hierbei von dem Planungsverhalten eines sorgfältigen Kaufmanns noch weit entfernt sind.

Anstatt unter einen Strich zuerst die verfügbare gesicherte Finanzmasse als Ausgabe zu schreiben (Eckwertebeschluß), um danach über den Strich die gewichteten notwendigen Investitionsmaßnahmen und andere Begehrlichkeiten, wird der Plan eher von politischer Stimmung und Windrichtung bestimmt. Die Fördermittelpolitik des Landes hat daran seinen Anteil, wenn auch die Stadt zumeist der Initiator war und ist. Sie können diesen Eindruck auch mit mir teilen, wenn sie einmal die Wirtschaftspläne des SIM von 2006 bis heute mit allen Veränderungsbewegungen vergleichen.

Wie angekündigt, einiges zum unserem Frühstart in einen doppischen Hauhalt.Die Linksfraktion erkennt übereinstimmend, dass es der Verwaltung sehr gut gelungen ist, in Einzelschritten den aus Richtung der Landesregierung kommenden Grundlagen zu folgen und einen abgestimmten doppischen HH 2008 aufzustellen. Ausgewogen ist er nicht bei diesem Fehlbedarf. Die Kurzfristigkeit des Eintreffens eben dieser Grundlagen verlangte großen Einsatz von allen beteiligten Beamten und Angestellten besonders in den letzen Wochen. Die von uns bereits dargelegt kritischen Punkte will ich nicht nochmals einzeln nennen. Aber wir stimmen sicherlich in der Beurteilung überein, dass die Stadt hat auch mit einem doppischen HH keine größere Chance hat, die dauernde Leistungsfähigkeit wieder zu erlangen. Auch haben wir starke Zweifel, dass eine Veräußerung eines so genannten Tafelsilbers selbst auf lange Sicht einen Konsolidierungseffekt bringt. Die Minuswerte sind erdrückend. Aber mehr Transparenz wird künftig gewonnen. Und es muß zu den Bemühungen aber auch gehören, den Stadtvertretern die Instrument ihrer Mitwirkung bei der Aufstellung, Verfolgung und Abrechnung eines doppischen HH aufzuzeigen. Ein Verlust im Vergleich zu der bisherigen kameralistischen Darstellung des HH-Planes sollte aber recht schnell beseitigt werden, wenn es nicht auch noch zum Tabu werden soll.

Unsere freiwilligen Ausgaben für die Mitgliedschaft in Verbänden und Vereinen sollten wie zuvor auch künftig einen Platz in den HH-Dokumenten finden. Zu erkennen, dass auch 2008 eine neue Ausgabe hinzukommt, halten wir angesichts der Debatten um freiwillige Ausgaben nicht für Nebensache. In der Geschäftsstelle des Städte- und Gemeindetages M-V wird eine neue Personalstelle geschaffen, die nur per Umlage von den sechs (6) hoch verschuldeten kreisfreien Städte getragen werden soll. Ca. 4,0 TEUR könnten es sein, die nach Schwerin fließen. Nicht zum Latücht - Herr OB, denn eine freiwillige Ausgabe ist es in jedem Fall.

Herr OB, bleiben Sie ihrem Stil treu, widersprechen Sie dem Beschluß der Stadtvertretung, wenn der HH-Entwurf 2008 heute eine Mehrheit finden sollte. Verletzt er doch in Teilen das geltende Recht.

Weitaus besser wäre es aber, wir werten unsere heutige Debatte als erste Lesung und könnten am 13. 03. dann einen in weiten Teilen gesetzeskonformen HH-Plan beschließen. Ist es nicht absehbar, dass in Schwerin wieder nach Aktenlage abgearbeitet wird? Das aber bedeutet doch, dass die Prüfung der nicht ausgeglichenen HH-Pläne erst wieder gegen Jahresende erfolgt. Wir werden wieder mit der vorläufigen HH-Führung auskommen müssen. Eine Beschlussfassung bereits heute wird das kaum verhindern.

Zum Antrag der Linksfraktion, im Wirtschaftsplan des SIM aus der Maßnahme 19.4.96 - Städtebauförderungsmaßnahmen Straßen - das Vorhaben Verkehrsanbindung Ponyweg/Adlerstraße im HH-Jahr 2008 zu streichen.

Das Abweichen von unserer selbst gegebenen Ordnung, Satzungsbeschlüsse erst in der 2. Lesung zu fassen, wird von der Linksfraktion nicht akzeptiert. Mit dem Wirtschafts-Plan des SIM haben wir heute das Beispiel einer negativen Wirkung, wenn der Eckwertebeschluss als erste Lesung verstanden werden soll. Der vor Monaten gefasste Eckwertebeschluss hatte keine Aussage darüber, wie bei Investitionen vorgegangen werden sollte. Die Endfassung des Wirtschaftsplanesplanes haben sie alle erst seit dem vergangenen Wochenende in der Hand. Der Vorläufer hatte zumindest den Mangel (oder Auslassung), dass einzelne Vorhaben nicht dargestellt waren, die von der Stadt u. a. mit Eigenmittel finanziert werden sollen.

Kurz: Der Neubau einer Straße zwischen Ponyweg und Adlerstraße steht für alle einsehbar erst seit 5 Tagen im Wirtschaftsplan für 2008. Darum auch unser Änderungsantrag heute als Tischvorlage.

Ich werde unseren Antrag nicht mit Zahlen begründen. Das hebe ich uns auf, wenn aus dem Gremium Hoffnungen laut werden; etwa der Art, dass damit der Plan durcheinander geraten könnte. Ich sage Ihnen aber jetzt bereits: Das einzige was wirklich passiert, sind weniger Kassenkredite beim SIM im Jahr 2008. Es bedarf keines neuen Blattes im Wirtschaftsplan des SIM.

Mit der Behandlung dieses Vorhabens von 1996 bis heute wurde uns aber auch besonders deutlich, wie weit die Stadt NB von einem Bürgerhaushalt entfernt ist. Die Methode, die Bürgerinnen und Bürger in die HH-Aufstellung einzubeziehen, ist nicht neu. Der Bürgerhaushalt ist auch keine fixe Idee linker Phantasten. In Europa kommen die Anstöße zwar aus der linken Flanke, aber mittlerweile hat diese Idee auch in liberalen und konservativen Kreisen Aufnahme gefunden. Die Frage ist, Warum?

Mit großem Enthusiasmus und mit großem Erfolg wird das Konzept derzeit zum Beispiel in der Stadt Köln umgesetzt. Dort regiert bekanntlich ein CDU-Oberbürgermeister. Viele andere Städte haben es schon seit längerem praktiziert. Genannt seien beispielhaft Bergisch-Gladbach, Bergheim, Castrop-Rauxel, Cottbus, Suhl, Eisenach, Potsdam, Salzgitter, Hamm, Freiburg/Breisgau, Erfurt, Jena, Esslingen, Hamburg, Halle und auch Bonn. Nicht zu vergessen auch mehrere Berliner Stadtbezirke. Das Konzept des Bürgerhaushalts ist auch in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung positiv beurteilt. Die Bertelsmann- Stiftung ist bekanntlich nun wirklich völlig frei von linken Tendenzen. Die Landeregierung NRW hat sogar mit der Bertelsmann-Stiftung einen Leitfaden für einen Bürgerhaushalt heraus gegeben.

Wir stellen noch kein Bürgerhaushalt auf, doch wer die Methode etwas genauer besieht, der wird den Unterschied zu unserem kommunalen Debakel um Investitionen schnell erkennen. Im Vergleich dazu benehmen wir uns wie aufgeklärte Absolutisten. Wir wollen Geld ausgeben, was gar nicht das unsere ist. Und schlagen eine Meinungsäußerung betroffener Bürger mehrheitlich in den Wind. Selbst ihre Vorschläge, das Vorhaben nur auf ein Geh- und Radweg zu reduzieren, wird auf den Nutzen für die Stadt nicht beraten und ernsthaft geprüft. Alternativen sind von der Verwaltung nicht im Angebot. Mit der Überhöhung der Beschlusskompetenz des Stadtentwicklungsausschusses waren wir auch schnell fertig. Ich in mir sicher, dass sie alle hier im Saal eine Meinung davon haben, was mit einem derartigen Verhalten bei den Bürgerinnen und Bürger erzeugt wird. Nur dieses Erzeugen von Verdruss möchte sich kaum jemand offen eingestehen. In anderen Städten hat man die Ursachen für den politischen Ärger schon längst begriffen und geht neue Wege. Wir sollten die oft zitierten 100 Jahre für M-V nicht in Anspruch nehmen ?

Doch konkret zum Objekt der Entscheidung: Wir wünschen uns,

- dass auf der einen Seite nach der Inbetriebnahme des Schulkomplexes Demminer Straße und dort der Beginn auch einer außerschulischen Nutzung der Sporteinrichtungen und

- auf der anderen Seite mit dem Abschluß der Bauvorhaben um das Arbeitsamt im Reitbahnweg

die sich einstellenden Verkehrsverhältnisse nochmals analysiert werden. Damit ausgerüstet kann über den Neubau einer Straßenverbindung zwischen Vogelviertel und Reitbahnweg entschieden werden.

 

Herbert Doberenz

 

 

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