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Rede zum B-Plan-Nr.: 87 „Stargarder Bruch-Nord“

 

Es ist folgerichtig, wenn die Stadtvertretung diesen B-Plan noch vor Ende der Wahlperiode behandelt. Im Jahr 2000 haben unsere Vorgänger im Flächennutzungsplan die Fläche für Sport, Freizeit und Erholung festgelegt und 2003 die Aufstellung des B- Planes beschlossen. Was aber im Detail auf der NO-Fläche nun geschehen soll, war seit 2007 unsere Sache. Ich stimmte damals der Änderung des FN- Planes aus vollster Überzeugung zu. Eine hier unbeplante Wildnis über die Gesamtfläche halte ich auf Dauer nicht für beherrschbar. Doch bereits beim Vorentwurf zum B- Plan hatte ich Bedenken.

Kein Wort von mir gegen den Sport, jedoch ist für eine solche Sportanlage im Stargarder Bruch der Blick in den Haushalt der Stadt mehr als vernünftig. Und  es sind angesichts der naturräumlichen Ausstattung auch andere Fragen zu stellen. Zum letzteren sind so viele Argumente genannt. Es sind Hindernisse vorhanden, die eine auch nur teilweise Bebauung der Fläche erst mit vielen Ausnahmegenehmigungen möglich werden lässt. Wenn diese Ausnahmegenehmigungen – wie geschrieben steht – erst im Zuge des Bauablaufes eingeholt werden sollen, dann haben sie hier den ersten Grund für mein NEIN zum B- Plan.

Und wie steht es um die Finanzierung?    

Nehmen wir die Haushaltslage  überhaupt noch ernst? Rauft man sich über den Neubrandenburger Haushalt allein in der Landesregierung die Haare? In unrhythmischer  Folge wird von dort auf die weggefallene dauernde Leistungsfähigkeit der Stadt hingewiesen und mit Konsequenzen gedroht.  Wir aber gehen vorwärts und  planen noch immer so, als würden 80.000 Einwohner in der Stadt leben.

Die  Verwaltung hat bereits beim Auslegungsbeschluss im Juni vorigen Jahres den Inhalt der Bebauung als alternativlos  bezeichnet. Und eben das ist heute nicht besser belegt,  als es vor einem Jahr beim B-Plan-Auslegungsbeschluss der Fall war. Angesichts der katastrophalen Haushaltslage arbeitet  die Stadt weiter an der Umsetzung einer Vision des OB. 

Die Finanzwelt steht Kopf, aber in NB geht alles so weiter wie vor Jahren mit sprudelnden Finanzierungsquellen.  

Für die Sportanlage im Stargarder Bruch  sind  über die Jahre 2010 bis 2012  im Wirtschaftsplan des Städtischen Immobilienmanagements lediglich Ausgaben in Höhe von 1.581,2 TEUR geplant. Ein Erläuterungstext für die Maßnahme fehlt im Band 4/2. Und es soll Tröpfchenweise gebaut werden. Erst einmal Pflöcke einschlagen, später sehen wir weiter. Ich frage, warum sind in der Drucksache zum Satzungsbeschluss unter finanzielle Auswirkungen lediglich die Einzelmaßnahmen ohne Kostengrößen aufgezählt?

Um eine Gesamtkostenschätzung  drückt sich die Verwaltung. Die Kosten für die geplanten  Ausgleichsmaßnahmen im Tollensetal stehen auch noch in den Sternen.

Ich aber schätze, dass für die im Stargarder Bruch-Nord vorgesehenen Baulichkeiten (Knotenausbau allein 500,0 TEUR; Zuschauerränge für 2000 Zuschauer; Brücke über den Gädenbach; zwei Spielfelder mit bzw. ohne Laufbahnen; Sanitärgebäude; KfZ- Stellflächen - also ohne Geländeerwerb und ohne die Kosten für die Ausgleichsmaßnahmen im Tollensetal ) am Ende Gesamtkosten in Höhe von über 10,0 Mio € auflaufen könnten.  

Und es besteht bei mir kein Zweifel darüber, dass als Kostenträger für Sportanlagen dieser Art nur die Stadt in Frage kommt. Private Investoren sind m. E. ebenso Illusion wie eine Zuckerfabrik auf dem Grund der Ostsee.

Aber von einem hohen Bedarf an Sportplätze dieser Art war bisher nur gesprochenes Wort zu hören. Über die Aussage, dass er ansteigend sein soll, kann man traurig oder erheitert sein. Die Anzahl der Einwohner der Stadt nimmt stetig ab und deren durchschnittliches Alter steigt. Die Belastung der vorhandenen Sportplatzanlagen sei aber dabei so hoch, dass es daran allein in der Zahl mangelt. Selbst die Bundeswehr muss der Not gehorchend auch kommunale Sportplätze nutzen. Man sollte sich auf den Sportplätzen der Bundeswehr einmal umschauen!

Und fast wie selbstverständlich fallen Alternativen aus der Untersuchung heraus.

So stand der oft zu nasse zweite Platz am Weidenweg bereits vor Jahren im Investitionsplan. Es sollte die Nutzungsfähigkeit über das ganze Jahr ermöglicht werden. Es ist nicht gebaut worden, obwohl angeblich die Nachfrage so groß ist.

Dem neuen Sportplatz hinter der Hufeisenstraße fehlt ein Sanitärgebäude, um ihn für den Vereinssport zu erschließen. Ein Mangel bei vielen Sportplätzen der Stadt.

Dem Platz an der JVA fehlen selbst die Schafe.

Der Einbau von Kunstrasen auf den Schlackeplatzes am Jahnsportforum oder auf den Sportplatz an der Hochstraße käme der Stadt um vieles billiger, wenn ein Bedarf befriedigt werden muß. Es soll hierzu genug sein.

Kurz: Die aufgezählten Zwänge für die Vereine in NB sind im Zusammenhang mit dem Stargarder Bruch für mich nur Gedöhns. Warum wohl hörte man von den Vereinen nichts über das Einschnüren des Sportbetriebes, als beim Platz an der Stadthalle die Nutzung eingestellt wurde?

Mit dem Bau im Stargarder Bruch geht es nicht um die Deckung eines Bedarfs.

Ich kann aber auch nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich höre, wir hätten bereits öfter B-Pläne beschlossen und über Jahre im Schubkasten gelassen, bevor etwas geschah. Man meint wohl, aufs Geld gewartet hat oder um anderes auf der Fläche zu verhindern.

Ich meine, die Zeiten sind vorüber, wo allein der Planentwurf einem Geldgeber die Taschen öffnete.

Heute stehen Nutzen–Kosten-Analysen und Bedarfsnachweise ganz vorn an, aber offenbar nicht in NB. Es passt hier hinein und soll keine Häme sein, wenn ich an die Umgehungsstraße erinnere. Die Nutzen–Kosten-Analysen des Bundes ergibt zwei Fahrstreifen – aber wir ………  Na, ja –  wir träumen von 80.000 Einwohner.

Die Stadt hofft auf Finanzmittel von außen und lebt mit Hilfe der Finanzmittel von außen. Für mich alles nichts Neues –  es war unter anderen Bedingungen vor dreißig Jahren schon so.             

 Der Bedarfsnachweis zum Bau einer Sportanlage dieser Art im Stargarder Bruch und in diesem Umfang steht auf schwachen Beinen.  

Und es passt dazu, wenn am Vortag der Entscheidung über den B-Plan ein in der Region meinungsbildender Monopolist in seiner Stadtausgabe noch einmal klar macht, wie notwendig dieses Vorhaben ist.

Und bitte gönnen sie sich das Vergnügen, nochmals nachzulesen, was es damals kurz vor der Entscheidung zum Bau des Sportgymnasiums im Kulturpark dort  zu lesen gab. Alternativen waren alle nur Asche. Auf den weitaus repräsentativeren Standorten für das Gymnasium soll nun die Sportanlage hin und wächst eine evangelische Schule.

Mit dem Beschluss heute ist die Stadt auf dem altem Kurs –  voreilig, überdimensioniert und bei der aktuellen HH-Lage zu kostspielig.

 

Herbert  Doberenz

 

 

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