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Wirtschaftskonferenz in Neustrelitz
Auf
Initiative von Torsten Koplin fand am 19. März 2011 mit
Unterstützung der Landtagsfraktion der LINKEN in der
Neustrelitzer Inselgaststätte "Helgoland" eine ganztägige
Wirtschaftskonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung
statt. Das Thema lautete "Chancen und Potentiale für die
wirtschaftliche Entwicklung der Region Mecklenburg-Strelitz".
Unter den mehr als 50 Teilnehmern
befanden sich gestandene Unternehmer wie Herr Strohhäcker
(Hausseeklinik Feldberg), Dr. Mewes (BTO), Herr Redlich (IPSE)
und Herr Denne`(Tanzkompanie) sowie die Bürgermeister Herr Grund
(Neustrelitz), Frau Doster-Di Rosa (Carpin) und Her Bednorz
(Blankensee).
Zu Beginn hielt der
Fraktionsvorsitzende der LINKEN ein Plädoyer für Innovation in
der Region, wozu das Land verstärkt Regionalbudgets anstelle von
zweckgebundener Förderung vergeben müsse. Überhaupt sei
Förderung verstärkt an Innovation zu binden. Das sei schon aus
fiskalischen Gründen sinnvoller, würde aber erst die
Schöpferkräfte richtig freisetzen, wirklich Eigenes zu
entwickeln bzw. weiterzuentwickeln, Netzwerke aufzubauen und die
wissenschaftlichen Potenziale der Region voll einzubinden. Nach
Erläuterung der Thesen (siehe Anhang) durch Thomas Sarzio und
der Darlegung von Erfahrungen aus dem Besuch von 41 Betrieben
und Einrichtungen der Region durch Torsten Koplin, legte Herr
Fechner (Leiter der Wirtschaftsförderung Neustrelitz)
konkret das Herangehen der Stadt an seinen Aufgabenbereich dar.
Während der IHK- Vertreter auf die Unterstützungsmöglichkeiten
für Unternehmen und Existenzgründer durch seine Einrichtung
aufmerksam machte, sah der Unternehmerverbandspräsident, Herr
Stolz, seinen Part vor allem darin, launig-wohlwollend
Positionen zu benennen, wo er anderer Auffassung sei, als die
Masse der Leute im Saal: Etwa den Mindestlohn und den öffentlich
geförderten Beschäftigungssektor. Applaus erhielt er vor allem
für sein klares Bekenntnis zum Antifaschismus aus tiefster
Überzeugung.
Herr Hirchert( Stadtwerke
Neustrelitz) machte sehr deutlich, wo Neustrelitz bezüglich der
erneuerbaren Energien steht und wie es konkret weitergehen soll.
Herr Kuhnert(IG BAU) erläuterte anschaulich die
Notwendigkeit
von Mindestlöhnen und die Bindung öffentlicher Vergaben an sie.
Auch die Diskussion brachte konkrete viele Anregungen, es war
aber leider zu wenig Zeit dafür. Hervorgehoben sei zum Schluß
noch der Gedanke von Bürgermeister Andreas Grund, ein Leitbild
nach dem Vorbild der Stadt Neustrelitz auch für den Großkreis zu
erarbeiten, um Prioritäten setzen und Innovation gezielter
freisetzen zu können.
Rolf Kadgien, 23.03.2011
Thesen zur
Wirtschaftskonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung
am 19. März
2011
Erste
These
Stabile und
leistungsfähige kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden die
Basis einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung und
tragen in entscheidendem Maße zu Wohlstand und Beschäftigung
bei. Daher sind die Unternehmen besonders zu unterstützen, die
nicht auf kurzfristigen Maximalgewinn, sondern auf langfristig
stabile Wertschöpfung setzen und Verantwortung für die Region
übernehmen.
Zweite
These
Soziale
Sicherheit, Ökologie und wirtschaftliche Tätigkeit bilden eine
Einheit. Die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen
Mindestlohns ist unumgänglich. Jegliche prekäre Beschäftigung
ist abzulehnen. Öffentliche Vergaberichtlinien haben sich daran
zu orientieren.
Öffentliche
Investitionen und Zukunftsprogramme können wichtige Impulse
geben, insbesondere in den Bereichen Bildung, Wissenschaft,
Kultur und Umwelt sowie beim Ausbau der öffentlichen
Daseinsvorsorge.
Staatliche
Wirtschaftsförderung soll transparent und nachvollziehbar sein.
Sie muss sich an den Bedarfen vor Ort orientieren und damit vor
allem regionale Netzwerke und regionale Wirtschaftskreisläufe
unterstützen.
Dritte
These
Die
verschiedenen Eigentumsformen sollten in einem ausgewogenen
Verhältnis zueinander stehen. Die wirtschaftliche Betätigung von
Kommunen ist genauso berechtigt wie die von privaten
Unternehmen. Unternehmen der Daseinsvorsorge gehören
grundsätzlich mehrheitlich in die öffentliche Hand und bedürfen
einer wirksamen demokratischen Kontrolle. Im Bereich der
Wohnungswirtschaft ist ein für alle nutzbares und zum Wohlfühlen
ausgestattetes Wohnumfeld mit Einrichtungen, in denen soziale
Kontakte, Gesundheit und Kultur gepflegt werden können, sehr
wichtig. Ein solches kommunikatives Wohnen unter Einbeziehung
der demographischen Entwicklung stärkt das Wir- und
Zuhause-Gefühl und wirkt Abwanderung, Ausgrenzung und
Vereinsamung entgegen.
Vierte
These
Angesichts des
wissenschaftlich-technischen Fortschritts sind
Arbeitszeitverkürzungen und die Einführung eines stabilen
öffentlich geförderten Beschäftigungssektors (ÖBS) mit
auskömmlichen Löhnen unerlässlich. Über die konkrete
Ausgestaltung des ÖBS soll in der Region selbst entschieden
werden. Die Finanzierung erfolgt durch pauschale Zuweisung der
notwendigen Mittel durch das Land und durch in kommunalen
Betrieben erwirtschaftetes Einkommen.
Fünfte
These
Um die Region
wirtschaftlich voranzubringen, sind folgende Maßnahmen zu
empfehlen:
-
Auflegen eines Programms zur Förderung der
kleinen und mittleren Unternehmen, ggf. inklusive der Bildung
eines Nothilfefonds auf Kreisebene für unverschuldet in Not
geratene Unternehmen. Dieses Programm muss mit einem Abbau
bürokratischer Hemmnisse verbunden sein.
-
Initiierung eines auf die Region zugeschnittenen
spezifischen Qualifizierungs- und Absolventenlenkungsprogramms
-
Entwicklung eines Konzeptes für wirksame
regionale Stoff- und Energiekreisläufe
-
Nutzung von Ansiedlungspotentialen für
Unternehmen in den folgenden Bereichen: Gesundheitswirtschaft,
Tourismus (insbesondere saisonverlängernde Maßnahmen),
erneuerbaren Energien, Bildung, Dienstleistung,
Ernährungswirtschaft und Konversion. Reserven, die in einem
höheren Grad der Veredlung und Verarbeitung von Rohstoffen
liegen, sind konsequent zu erschließen. Alle Möglichkeiten der
Direktvermarktung müssen viel stärker genutzt und ausgebaut
werden.
-
Auf- und Ausbau eines qualifizierten
Regionalmanagements als Koordinator, Moderator und Multiplikator
-
Enge Zusammenarbeit der Wirtschaft mit den
regionalen Fachhochschulen
- Nutzung
vorhandener Ausbildungsstrukturen als Kompetenz- und
Weiterbildungszentren für die regionale Wirtschaft
-
Installierung einer kreislichen Ideenwerkstatt
unter Einbeziehung entsprechender Kompetenz aus Wirtschaft,
Verwaltung, Vereinen und Verbänden
Sechste
These
Um regionale
Wirtschaftskreisläufe besonders zu fördern, sind neben
Regional-budgets, Regionalfonds und Mikrokrediten beispielsweise
auch Regionalwährungen sinnvoll. Diese Gelder fließen zurück,
weil sie wieder in die Region investiert werden. So kann sich
ein regionales Netzwerk bilden, welches die Grundversorgung der
Region sichert.
Siebente
These
Transparente
Wirtschaftsketten, bei denen nachvollzogen werden kann, wer wo
und wie erzeugt, veredelt und produziert, bieten gerade
landwirtschaftlichen Betrieben, Handwerk, Gastronomie und
touristischen Unternehmen die Möglichkeit, sich vom Waren- und
Angebotsallerlei abzuheben und Verbraucherverhalten positiv zu
beeinflussen. Dabei muss noch stärker als bisher auch auf
gemeinsames Marketing gesetzt werden. Erneuerbare Energien
können ein Markenzeichen des Tourismus in der Region werden.
Deren Nutzung zur dezentralen Energieerzeugung hat noch große
Entwicklungsmöglichkeiten.
Achte
These
Die so genannten
weichen Standortfaktoren wie Bildung, Kunst, Kultur und Sport
sind konsequent zu erhalten und weiter auszubauen. Sie haben
sich erwiesenermaßen eben nicht nur als Kostenfaktoren, sondern
als echte Standbeine regionaler wirtschaftlicher Entwicklung
herausgestellt.
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