|
Programmatische Eckpunkte
Wozu ist die Linke fähig? Was sind die Ziele der Linken?
Wie werden diese in die Tat umgesetzt? Zu unseren
programmatischen Eckpunkten klären Joachim Odebrecht, unser
Geschäftsführer der Kreistagsfraktion und Torsten Koplin, der
Kreisvorsitzende, auf.
Sipho Czok: Mit welchen Möglichkeiten kann eine
Demokratisierung der Wirtschaft erreicht werden? Wie kann eine
demokratische Steuerung der Grundlinien wirtschaftlicher
Entwicklung realisiert werden?
Joachim
Odebrecht:
Ja, eine demokratische Kontrolle der Wirtschaft kann realisiert
werden. Da nach Artikel 14 und 15 im deutschen Grundgesetz alle
Gesellschaftsformen in der Wirtschaft zugelassen sind, besteht
die Möglichkeit, die zunehmende Privatisierung von
existenzsichernden Einrichtungen einzuschränken und die
Kontrolle dieser Unternehmen in kommunale oder staatliche Hand
zu legen. So kann die Wirtschaft sich mehr und mehr nach den
Interessen der Bürger richten und nicht wie bei den meisten
privaten Unternehmen nach Maximalprofit von Managern und
Unternehmensinhabern. Das gilt vor allem für das
Gesundheitswesen, das Verkehrswesen und die Sektoren Bildung und
Kultur.
Torsten Koplin:
Ermöglicht wird dies auch durch eine Ausweitung betrieblicher
Mitbestimmung. Die Belegschaften sollten über ein
Anteilseigentum verfügen.
Sipho Czok: Was ist für die linke Partei ein
erstrebenswertes Verhältnis von zivilgesellschaftlichem
Engagement, Marktregulation, nationalem Sozialstaat und
internationalen Institutionen?
Torsten Koplin:
Die in der Frage angesprochenen Kategorien spielen zwar in der
Komplexität unseres Lebens eine Rolle, sie lassen sich aber im
Rahmen dieses Interviews nicht seriös beleuchten. Deshalb nur
soviel: Das zivilgesellschaftliche Engagement hat bei all dem
eine herausgehobene Position. Denn es gilt für ein linkes
Weltbild nach wie vor der Grundsatz „Die Freiheit des Einzelnen
ist Bedingung und Voraussetzung für die Freiheit aller!“
Sipho Czok:
Ist die Forderung der Vollbeschäftigung noch ein realistisches
Ziel alternativer Politik?
Joachim
Odebrecht:
Die Vollbeschäftigung ist eines der wichtigsten Ziele unserer
Partei. Um dieses Konzept zu verfolgen, müssen genügend
Arbeitsplätze in allen Branchen und in einem öffentlichen
Beschäftigungssektor geschaffen werden. Hierzu gilt es, die
nötigen Rahmenbedingungen zu Erstreiten.
Sipho Czok:
Kann die Globalisierung demokratisch und sozial gestaltet
werden?
Joachim
Odebrecht:
Die zunehmende Globalisierung ist eine große Gefahr für die
Gesellschaft, weil sie zur verstärkten Armut in der Bevölkerung
führt. Wenn immer mehr Unternehmen ihren Standort ins Ausland
verlegen, gehen in Deutschland Arbeitsplätze verloren. Vor allem
in den Entwicklungsländern, die diese Betriebe für ihren
Standort bevorzugen, entsteht Armut, weil dort von den großen
westlichen Konzernen nur prekäre Beschäftigungsverhältnisse
angeboten werden.
Sipho Czok:
Wie kann ein Mindestlohn für alle Beschäftigungssektoren
durchgesetzt werden?
Joachim
Odebrecht:
Das geht letztlich nur auf gesetzlichem Wege und indem für
strukturschwache Regionen zumindest zeitweilig ein Ausgleich
gezahlt wird. Dazu müßten die anderen Parteien aber die
langjährigen Forderungen der LINKEN endlich aufnehmen, ohne
deren Umsetzung auch die Binnenwirtschaft endgültig kaputtgehen
wird.
Sipho Czok: Was kann gegen eine politische
Ökonomie der Frauenunterdrückung getan werden, in der Frauen
mehr arbeiten als Männer, aber als weniger produktiv bewertet
werden und weniger Lohn erhalten?
Joachim
Odebrecht: Wir sind eine der wenigen Parteien, die sich die
Gleichberechtigung als ein wichtiges politisches Ziel gesetzt
haben. Unabhängig von Geschlecht, Meinung und Herkunft muss ein
gleicher Lohn für gleiche Arbeit erreicht werden. Außerdem
sollten alle Interessen – auch die der Frauen - in wirklich
unabhängigen, freien Medien vertreten sein.
Sipho Czok: Wird die Partei bei ihrem Eintreten
für den Erhalt und Ausbau öffentlichen Eigentums künftig mit
bestimmten realen Widersprüchen und Konflikten konfrontiert
werden? Wie verhält sie sich dazu?
Torsten Koplin:
Auch in Zukunft werden wir mit anderen gesellschaftlichen
Entwürfen konfrontiert werden. Vor allem die neoliberale Politik
steht unseren Ansätzen nach einem Ausbau von öffentlichem
Eigentum entgegen. Deshalb bringen wir unsere eigenen
gesellschaftspolitischen Entwürfe ins Gespräch und entwickeln
diese weiter.
Sipho Czok: Wie stehen Linke zu der
Menschenrechtsfrage zum Verhältnis von sozialen und
individuellen Bürgerrechten?
Torsten Koplin:
Für unsere Partei bilden soziale und individuelle Bürgerrechte
eine Einheit.
Sipho Czok: Wird linke Politik vorrangig für die
Sorgen und Nöte, Bedürfnisse und Interessen der Mehrheit der
Bevölkerung, insbesondere der abhängig Arbeitenden oder
vorrangig aus Wertorientierungen und politischen
Zielvorstellungen geführt? Hat der Bezug auf Klasseninteressen
und -kämpfe eine Bedeutung für diese Politik?
Torsten Koplin:
Die linke Politik stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Alle
Wertorientierungen und politischen Zielvorstellungen richten
sich nach ihm, unabhängig von dessen Geschlecht oder Herkunft.
Deshalb sind die Interessen der Bevölkerung, insbesondere die
der abhängig Beschäftigten, der Ausgebeuteten, Ausgegrenzten und
sozial Benachteiligten der zentrale Punkt unserer Politik.
Sipho Czok: Wäre eine staatliche Kontrolle von
Banken und Finanzsystem legitim und umsetzbar?
Joachim
Odebrecht: Schon, weil die Banken selbst die Finanz- und
Wirtschaftskrise ausgelöst haben, ist deren staatliche Kontrolle
notwendig. Es muss verhindert werden, dass die Banken und die
großen Konzerne weiter uneingeschränkt und unkontrolliert mit
Werten spekulieren, die nicht vorhanden sind und somit die
nächste Krise auslösen. Alle Produkte der Banken sollten
staatlichen Kontrollen unterliegen, damit für jeden der
Kapitalbestand gesichert werden kann.
Sipho Czok: Unter welchen Bedingungen kann sich
eine linke Partei an einer Landes- oder Bundesregierung
beteiligen?
Joachim
Odebrecht: Eine Beteiligung an einer Regierung auf Landes- oder
Bundesebene kommt für unsere Partei in Frage, wenn sich unser
Programm in dem Koalitionsvertrag widerspiegelt. Unser
Koalitionspartner sollte sich an den Vertrag halten und zu
Kompromissen bereit sein.
Sipho Czok: Welche Unterschiede haben eine Partei
und eine soziale Bewegung in Bezug hinsichtlich ihrer Aufgaben?
Kann das Verhältnis zwischen parlamentarischer und
außerparlamentarischer Arbeit gefördert und gestaltet werden?
Torsten Koplin:
Eine Partei hat eine besondere Position im politischen System,
die durch die jeweilige soziale Bewegung gestärkt wird. Deshalb
ist besonders bei der Linken die Verbindung zu sozialen
Bewegungen sehr wichtig. Für den Erhalt dieser Verbindung muss
das Verhältnis zwischen parlamentarischer und
außerparlamentarischer Arbeit gefördert werden.
|