Standpunkte

 

Fraktion DIE LINKE in der Stadtvertretung Neubrandenburg

 

Vorlage "Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität (Konsolidierung) und Erhalt einer kommunalen Trägerschaft für das städtische Pflegeheim "Max Adrion""

Rede von Jan Kuhnert zur Stadtvertretersitzung am 18.11.2010

 

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident, sehr geehrter Herr OB,

Meine Damen und Herren.

mit der uns vorliegenden Drucksache wird von den Stadtvertretern zum einen erwartet, dass sie das von der Verwaltung erarbeitete Konzept zum Erhalt der wirtschaftlichen Stabilität des Pflegeheimes zur Kenntnis nimmt und zum anderen soll die Vertretung den Oberbürgermeister beauftragen die Umwandlung des Eigenbetriebes Pflegeheim in eine gemeinnützige GmbH vorzubereiten.

Begründet wird die Maßnahme u.a. mit dem vom Innenminister erteilten Prüfauftrag zur Konsolidierung des Stadthaushaltes durch Veräußerungserlöse der sich in der HSK Maßnahme 2009/1/5 widerspiegelt.

Wir werden darüber informiert, dass sich in der Vorschau zum Unternehmen die Ertragslage des Pflegeheims verschlechtern wird.

Drei Ursachen werden genannt für die zukünftig nicht auskömmliche Finanzierung:

  1. die Pflegesätze der Pflegekassen die stagnieren

  2. die Pflegestufen

  3. der Personalaufwand mit 76 % des Gesamtaufwandes und die zu erwartenden Personalkostensteigerungen

Das alles wird zur Ergebnisverschlechterung führen.

Mit der Vorlage will die Verwaltung mindestens 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

Der Innenminister soll befriedigt und die Ertragslage des Unternehmens verbessert werden.

Für die Fraktion die Linke wirft die Drucksache Fragen auf, die in den Debatten der letzten Wochen in den Ausschüssen nicht befriedigend beantwortet wurden.

Die Erklärungen der Verwaltung konnten uns nicht überzeugen, dass der hier vorgeschlagene Weg der Richtige ist.

Das Lösungskonzept sieht vor:

  1. eine g GmbH zu bilden und die Anteile an die neuwoges zu übertragen.
    Als eigenständige Einheit des neuwogeskonzerns soll das positive Effekte gegenüber den Pflegekassen bringen –worin diese bestehen konnte uns nicht wirklich erklärt werden.

  1. soll es positive Effekte bei der Betriebsdurchführung geben z.B. durch die Auslastung hauswirtschaftlicher Nebeneinrichtungen und wir fragen uns - warum bitte wurde und wird das nicht schon jetzt als Kooperation zwischen zwei kommunalen Unternehmen praktiziert?

  1. Sachkosten sollen gespart werden durch weitere Optimierungen der Ver- und Entsorgung usw. Das mag wohl so sein aber was genau heißt das?

  1. Personalkosten – Wie sollen diese gesenkt werden? Auch diese Frage blieb unbeantwortet. Löhne sollen nicht gesenkt werden, Arbeitsplätze nicht abgebaut werden, was beides ja sehr löblich ist, aber das WIE DANN? Es fehlt.

  1. Ein ertragswirksamer Faktor soll auch die Einstufung der Bewohner in die Pflegestufen sein.
    Was sagt uns dieser problematische Lösungsansatz? Ein gegensteuern ist schwierig – wohl war da die Bewohner oder die Familien der Bewohner die finanziellen Auswirkungen der Höherstufung zu tragen haben.

  1. Es soll die Investitionspauschale angepasst werden. Nun und was macht dann die g GmbH mit dieser Investitionspauschale? Das gleiche wie der Eigenbetrieb oder wie dürfen wir uns das zukünftig vorstellen?

Kommen wir zum Effekt für den städtischen Haushalt.

Mit dem Finanzamt ist zu klären ob eine Entnahme von bis zu 1 Mio. € aus den Kapitalanteilen möglich ist. Der Rest der Barreserven soll genutzt werden um das strukturelle Defizit bis zum Abschluss der Konsolidierung auszugleichen.

Was sagt uns das? Welche Summe wann wie fließt wissen wir nicht.

Und im Übrigen wird nur das fortgesetzt was sowieso schon realisiert wird. Wo liegt da der positive neuwoges Effekt?  

Kommen wir zu Veräußerung:

Durch die Gemeinnützigkeit des Pflegeheims gibt es ein Gewinnausschüttungsverbot das trifft auch zu bei einer g GmbH. Trotzdem soll es eine gGmbH bei der neuwoges geben das im gewissen Umfange Liquiditätszuflüsse an die Stadt ermöglicht werden – welche, wie, wodurch?

Meine Damen und Herren,

bei einer Entscheidung wie dieser muss ein Jeder die Möglichkeit haben Chancen und Risiken wägen zu können nach dem Motto, denn sie wissen was sie tun.

Unsere Bendenken, dass diese Entscheidung zu Lasten der im Pflegeheim arbeitenden Frauen und Männer geht, unsere Bedenken, dass wir hier einen Weg beschreiten der langfristig eine echte Privatisierung vorbereitet sind nicht ausgeräumt worden.

Unsere Überlegungen dass eine Konsolidierung auch als Eigenbetrieb möglich ist und vielleicht der sinnvollere Weg ist, konnten nicht widerlegt werden.

Es reicht uns nicht, wenn mit einer oberflächlichen Antwort der folgenden Art:

„Sie können uns glauben dass wir das geprüft haben“ reicht uns natürlich nicht.

Es bleibt festzustellen:

Die Verwaltung kann uns zwar nicht sagen was das Ergebnis des vorgeschlagenen Weges ist aber wir sollen entscheiden dass das der richtige Weg ist und das mit aller Kraft.

Das ist mit uns nicht zu machen und da kann uns auch nicht überzeugen dass mit einer folgenden Vorlage im kommenden Jahr alle heute noch offenen Fragen beantwortet werden sollen.

 

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