Standpunkte

 

Fraktion DIE LINKE in der Stadtvertretung Neubrandenburg

 

1. Lesung Haushalt 2010

Rede der Fraktionsvorsitzenden C. Muth zur Stadtvertretersitzung am 17.12.2009

In welchem politischen und rechtlichen Rahmen bewegen wir uns bei der Haushaltsplanung?

Art. 28 GG

(2) Den Gemeinden muss das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft in eigener Verantwortung zu regeln. Die Gewährleistung der Selbstverwaltung umfasst auch die Grundlagen der finanziellen Eigenverantwortung.

Art.106 GG sagt, dass die Landesgesetzgebung bestimmt, ob und inwieweit das Aufkommen der Landessteuern den Gemeinden zufließt.

Heißt, der kommunale Finanzausgleich ist Ländersache.

Durch diesen soll die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommune sichergestellt werden. Er soll die Erfüllung aller Pflichtaufgaben und ein Mindestmass an freiwilligen Aufgaben ermöglichen. Das Bundesverfassungsgericht stellte darüber hinaus fest. Der Grundsatz der finanziellen Eigenverantwortung ist nicht gewahrt, „wenn aufgrund der Zuweisungen an eine Gemeinde keine aufgabenadäquate Finanzausstattung mehr verbleibt“.

Sehr schön, soweit zur Theorie.

Die politische Praxis sieht hingegen ganz anders aus.

Wir können feststellen:

Seit Jahren ist die kommunale Finanzausstattung unzureichend.

Hinzu kommen:

  • Ständig steigende Kosten resultierend aus hoher Arbeitslosigkeit,

  • ständig steigende Kosten für soziale Leistungen und

  • ständig sinkende Beteiligungen des Bundes an der Finanzierung dieser Kosten

Das führt dazu, dass eine Daseinsvorsorge nach den Vorgaben des Grundgesetzes immer weniger möglich ist. Die Suche nach eigenen Einsparmöglichkeiten bei den Kommunen wirkt sich zunehmend auf freiwillige Leistungen und Standards der pflichtigen Leistungen aus. Und da wundert es nicht wenn der Städte und Gemeindetag die unzureichende Ausstattung der Kommunen auch mit dem neuen Finanzausgleichsgesetz aufs schärfste kritisiert. Wir sagen: Das Land darf seine Städte und Gemeinden gerade in schlechten Zeiten nicht im Regen stehen lassen.

Schauen wir uns das FAG an; Hier nur 2 Beispiele für eine falsche Weichenstellung: Der Gleichmäßigkeitsgrundsatz im FAG, der in guten Wirtschaftsjahren noch richtig sein mag, führt in Krisenjahren wie diesen zu einer sich verschärfenden Schieflage der Finanzausstattung für die Kommunen. Mit dem neuen FAG ist eine Stärkung der Zentren beabsichtigt. Eine solche Stärkung wird aber wegen der insgesamt geringeren Finanzausgleichsmasse nicht erreicht. Hier ist dringender Nachbesserungsbedarf gegeben. Und auch Bundespolitisch ist eine aufgabengerechte und angemessene Finanzierung der Kommunen einzufordern. So muss aus unserer Sicht die Gewerbesteuerumlage von den Städten und Gemeinden an den Bund und die Länder abgeschafft werden. Wir brauchen eine Erhöhung des Finanzierungsanteils des Bundes an den Kosten der Unterkunft. Und nicht zuletzt bedarf es, um die kommunale Handlungsfähigkeit zu erhalten und zukunftsfähig zu gestalten, einer umfassenden Reform der Hartz-IV-Gesetzgebung, auch um die Kommunen zu entlasten.

Wo stehen wir mit unserem Haushalt? Unsere Einnahmen sinken weiter. Trotz sinkender Ausgaben erhöht sich unser Defizit erneut. Der Kassenkredit nimmt schwindelerregende Größenordnungen an und wir schlagen uns mit der Frage herum, was können wir uns noch leisten. Was bedeutet das im konkreten?

Schauen wir uns nur einmal die 41 wesentlichen Produkte im HH an, so können wir feststellen:

  1. Bereich soziales im Teilhaushalt 3
    Die Einnahmen für die 5 wesentlichen Produkte wie
    - Hilfe zum Lebensunterhalt, - Hilfe zur Pflege, - Eingliederungshilfe, - Grundsicherung
    sinken auf knapp 22 Mio.€, also um knapp 4 Mio.€. Dem stehen Ausgaben von 40 Mio.€ gegenüber. Damit erhöht sich der von der Stadt zu erbringende Zuschuss auf 18 Mio.€. Das bedeutet 4 Mio.€ sind von uns gegenüber 2009 mehr für diese Positionen zu erbringen.
     

  2. Bereich Schule, Kultur, Jugend, Sport im Teilhaushalt 5
    16 wesentliche Produkte sind hier zu finden. u.a.
    - Schulen, - Kulturförderung, - Kita, - Hilfen zur Erziehung, - Sportförderung
    Mit rund 7 Mio.€ Einnahmen und 40 Mio.€ Ausgaben, das sind fast 5 Mio.€ mehr als 2009, erhöht sich der von der Stadt zu tragende Zuschuss auf 33 Mio.€, das sind 4 Mio.€ mehr als 2009.

Das heißt alleine diese beiden Bereiche kosten uns 8 Mio.€ mehr als 2009. Und das zum überwiegenden Teil ohne das wir dem groß ausweichen können.

Diese Mehrbedarfe werden wie aufgefangen? Wir sparen!

So sind im Teilhaushalt 3, im Bereich Planung 1,5 Mio.€ weniger Ausgaben vorgesehen. Im Teilhaushalt 4, Sicherheit und Ordnung, werden 1,1 Mio.€ weniger ausgegeben. Im Bereich der kommunalen Unternehmen werden die Zuschussbedarfe um 3,3 Mio.€ gesenkt. Das macht schon mal insgesamt eine Reduzierung des Zuschussbedarfes von 6 Mio.€ aus.

Damit sind die vorgenannten Mehrbelastungen aber nicht aufzufangen. Es bleiben Finanzierungslücken in Millionenhöhe alleine schon bei den wesentlichen Produkten.

Was also ist zu tun?

Will man den Forderungen des Innenministers nachkommen?

Die da u.a. lauten:                    Erhöhung von Gebühren, Entgelten und Hebesätzen

                                               Standardüberprüfung pflichtiger Leistungen

                                               Freiwillige Aufgaben in Frage stellen
Nun nehmen wir uns einmal unsere Haushaltspositionen im freiwilligen Bereich vor.

Wir kappen Ausgaben im freiwilligen Bereich:

Museen schließen bringt 1,5 Mio.€

Bibliothek schließen bringt 1,5 Mio.€

Wirtschaftsförderung von 1 Mio.€ auf 500 T€ senken oder

Wir realisieren den Sportförderkahlschlag und verzichten auf die 3,5 Mio.€ Sportförderung.

Wir kappen die Kulturförderung mit 900 T €

Wir verabschieden uns von der Theater- und Orchester GmbH, bringt fast 2 Mio. Das sind dann insgesamt schon 10 Mio. €.

Was bleibt?

Nun sie können es sich ausmalen eine Stadt ohne Kultur, Sport und Wirtschaftsfördeangebot. Eine Stadt die nicht lebt. Eine Stadt in der man nicht gerne leben möchte. Eine Stadt die nicht für sich wirbt, womit auch, ja nicht mehr werben kann mit ihren sogenannten weichen Standortfaktoren. Also können wir das Stadtmarketing in Höhe von 400 T€ auch gleich noch einsparen. So meine Damen und Herren kann es natürlich nicht gehen. Und mit dem Haushaltsplan wird dieser Weg auch nicht beschritten. Das ist die gute Botschaft.

Jedoch weist der jetzige Haushalt bereits schmerzhafte Einschnitte auf, über die wir in den Fachausschüssen dringend reden müssen und wo eine Umstrukturierung aus unserer Sicht notwendig ist.

Hier einige Beisiele:

Die Theater und Orchester GmbH bekommt 900.T € weniger nach dem Plan. Hier gibt es das Problem, dass die TOG aber einen Wirtschaftsplan mit einem Zuschuss aus NB in Höhe von 2,9 Mio.€ beschlossen hat und die Gesellschafterversammlung diese Woche hier keine Korrektur vornahm. Was bedeutet das für die Gesellschaft? Heißt das ab August fehlen die erforderlichen Mittel und es finden keine Veranstaltungen mehr statt? Das ist zum einen kaufmännisch unredlich und kulturpolitisch nicht zu akzeptieren.

Weitere kritische Punkte:

Die Kultureinrichtungen werden zusammengelegt in einem Kulturbetrieb und erhalten in der Summe gegenüber der Planung 2009 - 500 T€ weniger Verlustausgleich. Darüber hinaus wird die Kulturförderung die vor allem Vereinen und Verbänden zugute kommt um 70 T€ gekürzt. Gerade die Vereine und Verbände, die Basiskultur betreiben und das Leben in der Stadt bunt gestalten, sind betroffen. Im Gegenzug erhält der Sport 420 T€ mehr, die beim SIM landen in Form von Mieten. Der Jugendbereich, nun da wird die Jacke richtig eng, wenn ich die Beratung des letzten Jugendhilfeausschusses sehe. Hier muss im Rahmen der Haushaltsberatung nachgebessert werden. Freiwilligen Leistungen im sozialen und kulturellen Bereich, bei der Vereins- und Jugendförderung können nicht einfach gestrichen werden, ohne schwerwiegende Folgen für das Gemeinwesen. Die ehrenamtliche Arbeit braucht unsere Unterstützung. Das dieses mit einem hochverschuldeten Haushalt ein schwieriges Unterfangen ist sei unbestritten, aber wir wissen alle, einmal weg gebrochene Strukturen sind nur sehr schwer wieder aufzubauen. Hier ist gut zu wägen was trotz übler Rahmenbedingungen an Zukunftssicherung gelingen muss. In diesem Sinne lassen sie uns die vorgeschlagenen Haushaltspositionen auf ihre Zukunftstauglichkeit prüfen.

 

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