Standpunkte

 

Fraktion DIE LINKE in der Stadtvertretung Neubrandenburg

 

Änderungsantrag des Jugendhilfeausschusses zum Haushalt 2010

Rede von Bernd Fuhrmann zur Stadtvertretersitzung am 28.01.2010

Sehr  geehrter Herr Stadtpräsident, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Ratsfrauen und Herren, sehr geehrte Gäste,

im Auftrag des Jugendhilfeausschusses möchte ich als deren Vorsitzender den Änderungsantrag zum Haushalt 2010 näher begründen.

Der JHA hat sich in seinen letzten beiden Sitzungen lange zu den Haushaltszahlen für die Jugendhilfe diskutiert. Auf der 1. Sitzung am 15. Dezember (noch vor der ersten Lesung der HH) wurde zu vorläufigen Arbeitszahlen für die Träger der freien Jugendhilfe beraten. Wir standen vor der Aufgabe, entweder viel zu geringe vorläufige Arbeitszahlen zu beschließen oder Teile der Jugendarbeit ab Januar wegen fehlender Mittel einzustellen, weil Träger ihre Leistungen nicht ohne finanzielle Untersetzung durch die Förderung der Stadt aufrecht erhalten können.

Abzustimmen war über 3 unterschiedliche Varianten;

Variante 1 enthielt die Kürzungen in allen Bereichen, den Verzicht auf Landesfördermittel,

Variante 2 enthielt die volle Summe an Komplimentärmittel des Landes, dafür Kürzungen in der offenen Arbeit,

Variante 3 enthielt den Ausschluß eines Trägers, den Verzicht auf Landesfördermittel

Der JHA hat sich (notgedrungen) mehrheitlich für die Variante 2 entschieden, - obwohl damit insbesondere die offene Kinder- und Jugendarbeit von starken Kürzungen betroffen ist -, weil in diese Variante die Landeszuschüsse im vollem Umfang sichert werden und weil die Ausschussmitglieder davon ausgegangen sind, dass die Stadtvertreter die wertvolle Arbeit der Prävention gerade in diesem Bereich kennen und das sie wissen, dass deshalb eine massive Einschränkung zu keiner Entlastung des HH sondern eher zu einem weiteren Anstieg der Ausgaben in den gesetzlich vorgeschrieben Leistungen ohne jeden Gestaltungsspielraum führen wird.

Die ursprünglich im HH-Plan vorgesehenen Ausgaben entsprachen den Anforderungen der im SGB VIII § 11-14 genannten Leistungen, untersetzt durch die in der Stadtvertretung am 18.12.2008 beschlossenen Jugendhilfeplanung der Stadt Neubrandenburg. Auch im Haushaltssicherungskonzept (Drucksache V/131) wird auf Seite 10 darauf verwiesen, dass aktuelle interkommunale Vergleiche zeigen, dass unter anderem in den Produktbereichen Kinder-, Jugend und Familienhilfe keine Indizien für weiter Einsparmöglichkeiten bestehen.

Im Widerspruch dazu steht das Änderungsblatt 1 zum HH 2010 mit reduzierten Fördersummen bei den Leistungen der Jugendhilfe. Sicherlich, die Ausgaben insgesamt steigen, durch den Anstieg der Fallzahlen bei der Hilfe zur Erziehung, auch unsere vorbildlichen Angebote in der Kinderbetreuung / Tagespflege werden für die Stadt Neubrandenburg teurer, aber nur, weil der Bund und das Land sich nicht ausreichend beteiligen. Die Stadt Neubrandenburg muß diese steigenden Kosten allein tragen.

Aber darf das zu Lasten der Jugendarbeit gehen?

Im SGB VIII § 79 wird von den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe gefordert, dass zur Erfüllung der im SGB VIII genannten  Aufgaben rechtzeitig und ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden sollen.

Dazu haben wir eine Jugendhilfeplanung, um die Aufgaben zu kennen und den Bedarf zu ermitteln.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass in unserer Stadt bei den unter 15 Jährigen:              

71% im Reitbahnweg

59% auf dem Datzeberg

50% in der Oststadt

44% in der Südstadt und

43% im Industrieviertel      

Leistungen nach dem SGB II erhalten.

Die geplante Reduzierung im Bereich Jugendhilfe hat für die Stadt Neubrandenburg und deren Zukunft (unseren Kindern und Jugendlichen) verheerende Folgen.

Jugendeinrichtungen müssen ihre Öffnungszeiten und damit ihre Angebote weiter reduzieren Personalstundenreduzierungen und Entlassungen von Mitarbeitern sind notwendig, sie führen allein im Sozialraum Nord/Ost zu Angebotsstundenreduzierungen von derzeit 240 auf 135 Wochenstunden, im Sozialraum Mitte werden ca. 50 Angebotsstunden und ebenso ganze Angebote entfallen., die Schließung der Kinder- und Jugendeinrichtung KONNEX auf dem Datzeberg droht, die Stadt war damals glücklich, dass wir gerade dort wieder ein Angebot für Kinder und Jugendliche einrichten konnten.

Auf die finanzielle Notlage der Stadt Neubrandenburg gehen wir, in Abstimmung mit einzelnen Trägern der freien Jugendhilfe, mit unserem eingereichten Änderungsblatt zum HH 2010 ein.

Mehr besser gesagt weniger ist aber nicht drin, wenn uns die Weiterführung der Leistungen entsprechend den hier im Haus beschlossenen Vorgaben (siehe Jugendhilfeplanung) auch unter Berücksichtigung der vorläufigen HH-Führung gelingen soll.

Die geplante Einsparung im Bereich Jugendhilfe baut die Schulden der Stadt, in die sie unverschuldet geraten ist nicht wesentlich ab, im Gegenteil, sie macht Neubrandenburg unvergleichlich ärmer.

Nehmen Sie ihre Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen Neubrandenburgs wahr und entscheiden Sie sich für die Zukunft dieser Stadt.

Stimmen Sie deshalb für den Änderungsantrag des Jugendhilfeausschusses!!

 

 

 
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